Dienstag, 20. April 2010

40) Geschichte der Stadt - 4 - (17. - 18. Jahrh.)

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Das 17. und 18. Jahrhundert ...

brachte erneut Krieg, Brände und nochmal die Pest ...
Smilie und Rosinante wollten schon wo anders hin ..,
aber auch wo anders sah es nicht anders aus und so blieben sie der Stadt weiter treu.


Anfang des 17. Jahrhunderts sah es eigentlich für die Freie Reichsstadt noch ganz gut aus.
Handel und Gewerbe blühten noch und in der Stadt entstanden zahlreiche neue Bürgerhäuser und städtische Bauten, wie die Erweiterungsbauten des Rathauses, das Brauhaus in der Wahlstraße und das Brunnenhaus an der Popperöder Quelle.
Der Merianstich von 1642 zeigt eine blühende, gut befestigte Stadt.


Aber zu dieser Zeit zogen im Dreißigjährigen Krieg schon die Truppen aus aller Herren Länder durch das Territorium der Freien Reichsstadt. Besonders die Dörfer hatten unter der Willkür der Truppen zu leiden, egal ob es Freunde oder Feinde waren.
Von 1618 bis 1648 verging kein Jahr, wo nicht "... ringsum Kriegsgeschrei ertönte ..."
Der Rat hatte zwar anfangs die Befestigungen verbessern lassen, war aber letzen Endes den großen Kriegsheeren auf Gnade und Barmherzigkeitausgeliefert.


Und gerade das Letztere war in dieser Zeit selten. So hatte der kaiserliche General Pappenheim im Jahre 1632 die Stadt besetzt und vom evangelischen Rat 200.000 Taler Sühnegeld gefordert. Als dieser nur 60.000 Taler aufbringen konnte, nahm der General 16 Ratsmitglieder als Geiseln mit nach Prag, wo einige der Gefangenen starben.
Auch sonst gab es immer wieder Mord und Totschlag, Überfälle, Besetzungen und Gelderpressungen.
Als der Dreißigjährige Krieg dann vorbei war, hinterließ er eine ausgeblutete Stadt und ein zerstörtes Land.

Beim Brand von 1649, der in der Holzstraße ausbrach, brannte ein Teil der westlichen Oberstadt ab. Dabei wurde auch das Frauentor stark beschädigt, das 1665 heutigen Form erneuert wurde.
Auch der Zellsche Hof in der Holzstraße, in dem das Kloster Zella während des Krieges seine Urkunden und Schätze eingelagert hatte, brannte mit diesen teilweise ab und wurde 1658-60 neu aufgebaut.



Immer wieder berichtete die Chronik damals von schrecklichen Zeichen am Himmel und der Aberglaube hatte seine hohe Zeit.
Hexen und Teufel waren nach Meinung der Kirche allgegenwärtig und
mußten natürlich bekämpft werden. Dabei war es fast egal ob die Stadt oder das Land katholisch oder evangelisch war; es wurde verhaftet,
gefoltert und verbrannt.
In Mühlhausen fielen von 1624 bis 1731 insgesamt 58 Frauen und 9 Männer im Alter von 9 bis 82 Jahren diesem heute unfassbaren Hexenwahn zum Opfer.
Oft genügte ein anonymer Hinweis oder ein auf der Folter erpresstes "Geständnis" um jemand als Hexe anzuklagen. Auf der Folter gaben die Angeklagten dann meist alles zu, was man hören wollte. So die Buhlschaft mit dem Teufel, den Schadenszauber, die Mithexen usw., usw.
Die Todesstrafe wurde fast immer auf dem Scheiterhaufen vollstreckt,
wobei auch einige male als "Erleichterung" die Hexe vorher erdrosselt wurde. Einigen besonders hartnäckigen "Hexen" hatte der Teufel über Nacht im Kerker den Hals umgedreht ...! So einfach war das damals...!

Und immer wieder forderte die Pest auch in Mühlhausen zahllose Opfer. Allein 1682-84 starben 4.617 Einwohner . Die Kirchhöfe der Gemeinden reichten nicht mehr aus und so wurden zahlreiche Tote in Massengräbern bestattet. Ganze Straßenzüge verödeten. St.Jakobi und St.Kiliani wurden zu Pestkirchen erklärt, wo die Einwohner aus den Pesthäusern zum Gottesdienst gingen.
Wunderdoktoren verkauften Pülverchen gegen die Pest, aber trotzdem starb über ein Drittel der Bevölkerung.

1689 dann der große Stadtbrand von Mühlhausen, der in St.Jakobi ausbrach und durch den herrschenden Südwestwind bald die ganze Oberstadt erfasste. Von der Holzstraße bis zum Görmartor brannten über 500 Häuser mit ihren Nebengbäuden ab.


1707 - 08 war Johann Sebastian Bach als Organist an der
Divi Blasii-Kirche tätig. Er heiratete in dieser Zeit und schrieb hier
die Ratswechselkantate "Gott ist mein König".
Einige Monate vorher hatte der letzte große Stadtbrand von 1707 die halbe Unterstadt eingeäschert. Die Lebensbedingen waren also nicht die günstigsten und die Arbeitsbedingungen wurden durch die Pietisten und Orthodoxen im Kirchenrat auch nicht gerade gefördert.
Das bekam auch sein Sohn Johann Gottfried Bernhard Bach zu spüren, dervon 1735 bis 1737 Organist an der Marienkirche war und der Stadt enttäuscht den Rücken kehrte.



1720 war die neue Brotlaube am Obermarkt fertiggestellt
worden. Sie entstand an der Stelle der alten Brotlaube der Bäcker, die bereits 1304 als Obere Laube erwähnt wurde und zuerst als Sitz des Reichsschultheißen und als Tuchhalle diente.

Auch im 18.Jahrhundert kam es immer wieder zu Hungersnöten, denn zahlreiche Handwerker und Tagelöhner verarmten und mußten betteln gehen.
Das tägliche Brot war oft für viele nicht gesichert. Auch die Einführung der Kartoffel Mitte des 18.Jahrhunderts brachte da keine Wende, obwohl sie bald zum wichtigsten Nahrungsmittel wurde.



Zwischen dem Rat und der Bürgerschaft kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Da wählten die Einwohner 1729 einen 48-köpfigen Bürgerausschuß, der nach der fehlgeschlagenen Schlichtung vom Kaiser abgesetzt wurde.
1733 sollten 300 Soldaten diese Forderung durchsetzen, aber die Bürger schlossen die Tore und es kam zu gewaltätigen Auseinandersetzungen, bei denen 6 Personen erschossen wurden. Jetzt schickte der Kaiser 3.000 Soldaten. Die Aufrührer wurden durchgeprügelt, die Mitglieder des Ausschusses wurden ausgewiesen; bis auf 3, die wurden auf dem Obermarkt enthauptet.

Der Status als Freie Reichsstadt, die nur dem Kaiser unterstand, hatte 1762 noch einmal negative Folgen für die Stadt.
Im Siebenjährigen Krieg kämpften neben Östereich auch Frankreich gegen die Preußen und so wollten die Franzosen im Bündnis mit dem Kaiser Mühlhausen zur Festung ausbauen.
Besonders in den Vorstädten wurde geschanzt und viele Gärten der Bürger verwüstet.
Auch sonst hatte die Stadt wieder Unsummen an das Reich zahlen müssen und war Ende des 18. Jahrhunderts total verschuldet.



Übrigens -,
gehörte Mühlhausen Ende des 18. Jahrhunderts noch zu den 51 Reichsstädten des Deutschen Kaiserreiches, das langsam aber sicher seinem Ende entgegen ging.
Napoleon Bonaparte hatte jetzt das Heft in Europa in der Hand ...!

Montag, 19. April 2010

39) Geschichte der Stadt - 3 - (16.Jahrhundert)

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Das 16. Jahrhundert ...
brachte für Mühlhausen Zeiten des Aufstiegs und des tiefsten Falls.


Die Reformation und der Deutsche Bauernkrieg prägten die erste Hälfte des Jahrhunderts, während sich die Stadt in der zweiten Hälfte wirtschaftlich wieder einigermaßen erholte.

Um 1500 wurdeThüringen überwiegend von den sächsischen Albertinern und Ernestinern beherrscht. Aber auch zahlreiche kleinere Fürstentümer, wie die Schwarzburger, die Henneberger, die Hohnsteiner und die Mansfelder, gab es und außerdem große Gebiete der Kirche, sowie das relativ große Gebiet der Freien Reichsstadt Mühlhausen.

Martin Luthers Reformation weckte bei den Menschen die Hoffnung auf eine gerechtere Welt und bald fanden an vielen Orten neue Prediger beim Volk immer mehr Zulauf.

1523 kam Heinrich Pfeiffer in seine Heimatstadt Mühlhausen zurück, trat am 8. Februar auf den Bierruferstein vor der Marienkirche und rief: "... Höret.., ich will euch ein ander Bier verkünden ..."
Laut Chronik predigte er das Evangelium und schalt Pfaffen und Mönche. Am Folgetag forderte ihn der Rat ins Rathaus, aber Pfeiffer kam mit einer solchen Menschenmenge, daß der Rat nichts gegen ihn unternehmen konnte "... und dies war der erste Auflauf in der Stadt Mühlhausen ..."

1524 kam dann auch Thomas Müntzer nach Mühlhausen und begründete mit Pfeiffer und zahlreichen Bürgern und Bauern den "Ewigen Bund Gottes". In den 11 MühlhäuserArtikeln wurden dessen Ziele aufgezeigt. Müntzer und Pfeiffer wurden zwar ausgewiesen, kamen aber Anfang 1525 wieder zurück.
Müntzer wurde zum Pfarrer von St.Marien gewählt und Pfeiffer predigte in der Vorstadt. Beide setzten mit den Bürgern am 16.März 1525 die Wahl eines neuen "Ewigen Rates" durch.
Müntzers Leitsatz, "... die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk ...", fand immer mehr Anhänger und aus ganz Thüringen und Hessen strömten die Bauern nach Mühlhausen. Von hier zog der "Schwarze Haufen" mit etwa 10.000 Mann ins Eichsfeld, wo Burgen und Klöster gestürmt wurden. Viele "Aufrührer" kehrten dann in ihre Dörder zurück. Müntzer zog mit 300 Mann nach Frankenhausen, wo sich die mansfeldischen Aufständischen gesammelt hatten. Hier wurde das Bauernlager von den sächsischen und Hessischen Truppen eingekreist und gestürmt. Über 6000 Aufrührer wurden niedergemetzelt und viele Gefangene wurden sofort in Frankenhausen hingerichtet.
Auch Müntzer wurde gefangen, im mansfelder Schloss viehisch gefoltert und zusammen mit Pfeiffer und zahlreichen anderen vor den Toren der Stadt Mühlhausen am 27.Mai 1525 hingerichtet.
Die Stadt mußte sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Auch hier fanden erneut zahlreiche Hinrichtungen statt. Der alte Rat und die katholische Kirche wurden wieder eingesetzt, die Stadt und ihr Territorium den Fürsten unterstellt und in einem Sühnebrief die Zahlung hoher Kontributionen auf Jahre hinaus festgelegt.

Als die herrschenden Fürsten dann alle evangelisch wurden, setzten sie 1542 auch in Mühlhausen die Kirchenreformation durch. 1548 erreichte der Rat dann beim Kaiser die volle Wiederherstellung der Reichsfreiheit und die Aufhebung des Sühnebriefes. Dafür wurde die Stadt erneut katholisch.
Erst ab 1557 setzte sich dann die Reformation unter dem Superintendenten Hieronymus Tilesius endgültig durch. Tilesius gründete 1543 die erste evangelische Schule der Stadt und 1567 eine "Mägdeleinschule" im ehemaligen Brückenkloster .., ein Novum für die damalige Zeit.
Jetzt mußten alle Bürger und Untertanen den neuen Glauben annehmen, wer am "alten Glauben" festhielt, wurde in ungeweihter Erde beerdigt.
Den Wiedertäufern, die auch hier zwischen 1551 und 1565 auftraten, drohte schlimmeres; sie wurden entweder in der Unstrut ertränkt oder als Ketzer verbrannt.


Neben dem 1543 in der Neuen Straße errichteten Gymnasium, hatte die Stadt seit 1570 eine "Deutsche Sxhreib- und Rechen-Schule", die vom Schulmeister Koser betrieben wurde.
Hier gab es noch keine Einteilung nach Klassen und neben dem Schulgeld, mußte auch noch das Brennmaterial mitgebracht werden.
Nur wenige Söhne wohlhabender Eltern gingen dann nach dem Besuch des Gymnasiums auf eine Universität.

1578 wurde das neue Fleischhaus am Obermarkt fertiggestellt.
Die Stadt hatte sich jetzt auch wirtschaftlich wieder erholt. Besonders der Handel und die Produktion nahmen eine positive Entwicklung und auch die Bevölkerungszahl stieg wieder an.
Im neuen Fleischhaus hatten die Fleischhauer ihre Verlaufsbänke im Erdgeschoss, während der Saal im Obergeschoss für Veranstaltungen und als Markt der Tuchhändler diente.
Vor dem Bau des Fleischhauses standen die Fleischbänke auf dem Fleischmarkt, wo sie jeder Witterung ausgesetzt waren.

Obwohl Handel und Produktion immer mehr an Bedeutung gewannen, blieb Mühlhausen eine Ackerbürgerstadt, in welcher der Grundbesitz immer noch der wichtigste Machtfaktor war.
So mußten Vollbürger entsprechenden Besitz in der Stadt haben. Einwohner ohne Vollbürgergrundstücke und Vorstädter waren nur Mitwohner und die Bewohner der Dörfer im Territorium waren Untertanen des Rates.
Die Knechte und Mägde wohnten meist im Hause des Dienstherren. Auch heute noch gibt es in der Stadt ehemalige Ackerbürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert, wie hier in St. Jakobi.

Das Handwerk hatte einen erheblichen Aufschwung genommen. Ende des 16. Jahrhunderts gab es in der Stadt 786 Handwerks-meister in 31 Zünften.
Besonders zahlreich waren die Woll- und Leineweber, die Gerber und Schuhmacher, sowie die Schneider, Bäcker und Fleischhauer.
In den Zunftordnungen war die Anzahl der Gesellen und Lehrlinge vorgeschrieben, die ein Meister haben durfte. Auch hier lebten die Gesellen und Lehrlinge meist im Haushalt des Meisters.
Das Färberhaus in der Felchtaerstraße war 1577 direkt über der Schwemmnotte errichtet worden.

Auch die zahlreichen Wassermühlen der Stadt trugen zum steigenden Wohlstand bei, insbesonders weil immer mehr als Papier-, Schneide- oder Stampfmühle usw. genutzt wurden und so bereits eine Mechanisierung der Arbeit erzielten.
Der Zunft der Müller gehörten 17 Müllermeister im Jahre 1599 an.

Um 1600 war sie Freie Reichsstadt wieder ein gefestigtes Gemeinwesen, das mit seinem Sitz im Reichstag auch an der großen Politik im Reich teilnahm. Die Schutzverträge mit den Reichsfürsten brachten zwar eine relativ sichere Zeit, kosteten der Stadt allerdings auch einiges. Überhaupt konnte die Stadt jetzt sogar dem Kaiser größere Summen an Geld leihen und 1599 alle Besitzungen des Deutschen Ritterordens im Territorium der Stadt kaufen.
Zwar fielen auch 1566, 1582 und 1597 wieder hunderte Einwohner der Pest zum Opfer und es gab auch mehrere Brände in der Stadt, aber trotzdem erholte sich die Stadt immer wieder.



Übrigens ....,
wenn die Mühlhäuser dachten, mit dem Bauernkrieg hätten sie das Schlimmste überstanden, wurden sie im 17. Jahrhundert eines besseren belehrt ...,
der Dreißigjährige Krieg machte vieles wieder zunichte, was aufgebaut worden war.

Donnerstag, 15. April 2010

38) Geschichte der Stadt - 2 - (13. - 15.Jahrh.)

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Smilie und Rosinante
führen uns heute durch die Geschichte der Stadt im 13. - 14. Jahrhundert, die Zeit des Aufstiegs und des beginnenden Niedergangs der damals zweitgrößten Stadt im thüringer Raum.

Unter Kaiser Friedrich II. und seinen Söhnen Heinrich und
Konrad wurde der 1190 gegründete Deutsche Ritterorden besonders gefördert.
1227 wurde die St.Blasiuskirche in der Altstadt und
1242 die St.Marienkirche in der Neustadt an den Deutschen Orden übertragen.
Außerdem wurde 1232 die von den Bürgern errichtete Schule der Altstadt dem Deutschen Orden unterstellt, der dann auch in der Neustadt eine Schule einrichtete.
Nach und nach übernahm der Orden auch das Patronat über fast
alle Kirchen der Stadt, die dann überwiegend im 14. Jahrhundert
erneuert wurden.
In der Altstadt entstand am heutigen Kristanplatz ein Ordenshof und der zweite in der Neustadt an der Ecke Herrenstraße, das spätere Pfarrhaus der Marienkirche.
Der Ordensherr Kristan von Mühlhausen leitete den gotischen Neubau der Untermarktskirche ein, war dann Bischof von Samland in Ostpreußen und wurde 1295 im bereits fertiggestellten Chor von St.Blasius beigesetzt.
Auch die Marienkirche erhielt unter dem Deutschen Orden einen fünfschiffigen Neubau in dem 1382 der Ordensherr Heinrich von Sambach als "... buwmeyster unser liben vrowe ..." beigesetzt wurde.
1227 wurde das Brückenkloster von den Magdalenerinnen gegründet. Ein Nonnenkloster, das erheblichen Grundbesitz hatte, heute aber ganz verschwunden ist.
1232 begann der Bau des Barfüßerklosters zwischen Kornmarkt und Schwemmnotte. Nach der Reformation teilweise abgerissen, blieb nur noch die Klosterkirche St.Crucis übrig.
1290 entstand gegenüber der Allerheiligenkirche das Predigerkloster der Dominikaner. Die Klosterkirche St.Peter und Paul war die drittgrößte Kirche der Stadt, an die heute nur noch ein paar Mauerreste erinnern.

Im 13. - 14. Jahrhundert erlebte die Stadt einen starken wirt-schaftlichen Aufschwung. Ackerbau und Viehzucht waren die Grundlage. Der Flachsanbau und die Schafzucht lieferten die Grundlage für die Leinen- und Wollweber. Das Wasser des Popperöder Baches und ab 1292 der Breitsülze schufen die Arbeitsbedingungen für die Müller, Färber und Gerber. Seit Ende des 13. Jahrhunderts gab es dann auch die ersten Zünfte in der Stadt, wo sich die Handwerker nach Gewerken zusammen schlossen und im 14. Jahrhundert gab es 13 Zünfte in der Stadt. Diese errangen immer mehr Rechte und stellten ab 1406 die Hälfte der Ratsmitglieder.


Die Zunft der Großkaufleute und "Gewandschnitter" gehörte bald
der herrschenden Schicht, den Patriziern, an. Die Weber und Färber waren vom Tuchmarkt ausgeschlossen, der jetzt nur von den reichen "Tucherern" beherrscht wurde. Auch die "Waidjunker" hatten Anbau und Vertrieb der Färbepflanze allein in der Hand und gehörten bald zu den reichsten Bürgern der Stadt.




1310 wurde das Rathaus der Stadt als capitolum erstmals
erwähnt, wobei auch hier die Ersterwähnung nicht unbedingt
das Baujahr bedeuten muß.
An der Stelle des Rathaus-Kernbaues (im Bild links) gab es allerdings sehr wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert einen Vorgängerbau - ein Wohnturm o.ä. - der vielleicht der Sitz des königlichen Stadtvogtes war, denn schon damals wurden wichtige Bauten der Stadt nach diesem Standort eingeordnet.
In den folgenden Jahrunderten wurde das Rathaus ständig erweitert, so daß hier ein großer Verwaltungskomplex des Rates der Freien Reichsstadt entstand.

1304 war die Untere Laube am Untermarkt erstmals erwähnt worden, die wohl schon vorher, wie die Obere Laube am Obermarkt für die Neustadt, als Ratsgebäude und Kaufmannslaube für die Altstadt diente.
(Erst mit dem neuen Rathaus entstand ein einheitliches Verwaltungszentrum, das Altstadt und Neustadt zusammen fügte.)
Um 1400 durch einen Neubau ersetzt, diente dann die Neue Laube lange Jahre als Tuchlaube der Gewandschnitter und erst ab 1696 durften auch die Weber hier ihre Stoffe verkaufen.
Bereits 1611 war im Erdgeschoss die städtische Waage eingerichtet worden. Ab 1802 als preußische Hauptwache genutzt, wurde das Gebäude dann 1876 abgebrochen.

Mitte des 14. Jahrhunderts entstand die äußere Stadtmauer mit 6,5 km länge und 10 äußeren Stadttoren, von denen nur das Äußere Frauentor übrig blieb.
Die übrigen Tore wurden wie das Wagenstadter- oder Schindertor im 19. Jahrhundert abgebrochen, während die äußere Stadtmauer schon Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend verschwand.

Thüringen bestand im 13. Jahrhundert aus zahlreichen großen und kleinen Fürstentümern, die sich oft gegenseitig bekämpften.
Mühlhausen hatte im 14. Jahrhundert die volle Reichsfreiheit erreicht und unterstand jetzt nur noch dem Kaiser.
Durch das Drei-Städte-Bündnis mit Erfurt und Nordhausen und der Mitgliedschaft im Rheinischen Bund und in der Hanse erstarkte die Freie Reichsstadt immer mehr und gehörte um 1400 zu den zwanzig größten Städten Deutschlands.


Trotz zahlreicher Angriffe des Feudaladels hatte die Stadt ihr Territorium weiter ausgebaut und ihre Wirtschaftskraft verstärken können.
Um 1370 entstand im Westen und Norden des Territoriums ein 26 km langer Landgraben, der die Stadt und die Dörfer gegen die Überfälle aus dem kurmainzischem Eichsfeld schützen sollte.
6 Warten kontrollierten die Straßen zur Stadt und auf den Bergen standen zusätzliche Wachtürme, von denen in Kriegszeiten die Türmer in der Stadt vor Feinden gewarnt wurden.
Damals gab es im reichsstädtischen Gebiet über 50 Dörfer und Ansiedlungen, von denen aber besonders im 14. - 15. Jahrhundert einige wieder aufgegeben wurden.


Untermarkt und Obermarkt waren die beiden Hauptmärkte der Stadt. Außerdem gab es noch den Töpfermarkt, den Kornmarkt, den Fleischmarkt, den Krautmarkt, den Salzmarkt und den Viehmarkt.
Ein Marktmeister überprüfte die Einhaltung der städtischen Bestimmungen über Gewicht, Preis und Güte der Ware.
Mühlhausen war neben Erfurt ein wichtiger Handelsplatz im thüringer Raum. Im 15. Jahrhundert verlagerte sich der Handel aber immer mehr nach Osten in die sächsischen Kerngebiete.


Die zwei großen Stadtbrände von 1422 und 1487, sowie die verschiedenen Pestepidemien im 14. und 15. Jahrhundert brachten der Stadt und der Bevölkerung große Verluste.
Besonders in den Vorstädten standen viele Häuser leer. Handel und Produktion gingen zurück.
Die Unterschiede zwischen Arm und Reich wurden immer größer und die Unzufriedenheit und Angst in der Bevölkerung auch.
Die Kirche brachte auch keine große Hilfe. Die Weißfrauen im Brückenkloster, die Dominikaner und die Ordensherren vermehrten ihren Besitz und Wohlstand und nur die Franziskanermönche blieben ihrem Grundsatz der Hilfe für Bedürftige treu.




Übrigens...,
es sollte noch schlimmer kommen.
Das 16. Jahrhundert brachte den Mühlhäusern erneut unruhige Zeiten ....

Davon mehr im nächsten Beitrag.


Mittwoch, 14. April 2010

37) Geschichte der Stadt - 1 - (bis 13.Jahrhundert)

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Die Geschichte der Stadt Mühlhausen ...,

war eigentlich auch immer das Thema der vorhergehenden Beiträge, aber nie so richtig im Zusammenhang.
Aus diesem Grunde sollen Smilie und Rosinante den geneigten Leser in den nächsten Beiträgen durch die interessante Geschichte der ehemaligen Freien Reichsstadt führen.

Der Anfang der Stadt liegt ziemlich im Dunkeln.
Ein vermuteter germanischer Edelhof als Zentrum des thüringer Westergaues im 5.Jahrhundert ...?
Eine Siedlungsgründung durch die Franken mit einer Wassermühle nach der Zerschlagung des thüringer Königreiches im Jahre 531 ...?
Die Errichtung eines fränkisch-ottonischen Königshofes, der später als Königspfalz das Zentrum des königlichen Reichsgutbezirkes war ...?
Alles durch Funde und Vergleiche angestellte Vermutungen, die aber durch keine Urkunde bewiesen wurden. Eine Urkunde Karls des Großen aus dem Jahre 775, die ursprünglich Mühlhausen zugeschrieben wurde. konnte erst Ende der neunziger Jahre einem anderen Ort zugeordnet werden-

So ist auch der Wechsel vom Hauptort der Germaramark zum Hauptort des Reichsgutbezirkes, der Königspfalz Mühlhausen nicht belegbar.
Es fällt nur auf, daß besonders in der Germaramark, die das fränkische Gebiet zu den Sachsen im Norden abschirmte, zahlreiche fänkische Ansiedlungen mit der Endung -hausen entstanden waren.
Die Gründung dieser Siedlungen könnte also in die Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen fallen, die das 7. - 8. Jahrhundert umfasste.

Ziemlich sicher ist nur, daß der ersten fränkischen Ansiedlung
von Mühl-hausen bei St.Georgi - dem späteren Alt-Mühlhausen - ein Königshof folgte und dann bei St.Kiliani ein vom König priviligierter Markt entstand.
Auch die Altstadt bei der Untermarktskirche St.Blasius könnte bald danach entstanden sein.
So soll Kaiser Otto I. laut Chronik im Jahre 970 einen Dom in Mühlhausen gegründet haben. Eine Nachricht, die wie manche der frühen Berichte, durch keine Urkunde belegt werden kann.

967 dann die erste Urkunde, die Otto II. in seiner Pfalz Mühlhausen ausstellte und damit beginnt die eigentliche belegbare Geschichte der Stadt.

972 eine zweite Urkunde, in der Otto II. seiner Gemahlin Theophanu unter anderem die Orte Mühlhausen, Eschwege, Schlotheim und Tuttensode bei Reiser übertrug.
Dann folgt wieder eine Zeit ohne genaue Angaben. Wahrscheinlich waren bei einem Brand im 12. oder 13. Jahrhundert viele Urkunden vernichtet worden.

Die Stadt des Königs entwickelte sich zuerst in der Altstadt zwischen St.Kiliani und St.Blasius.
Zuerst wohl überwiegend mit befestigten Höfen des Adels, um die sich die kleinen Häuser der Hörigen gruppierten.
Der Vorgängerbau der St.Blasiuskirche war wohl dann auch ein Ausgangspunkt für die weitere Stadtplanung, so im Westen bei St.Jakobi und im Norden bei St.Marien.
Ein wahrscheinlicher Vorgängerbau des Rathauses, der an der Grenze zu den neuen Stadtteilen über der Schwemmnotte errichtet wurde, gibt auch heute noch Rätsel auf.




Ziemlich sicher war dagegen die Lage des Königshofes bzw. der späteren Pfalzburg.
In der ottonischen Zeit (914 - 1024) und im salischen Kaiserreich (1024 - 1125) weilten die deutschen Könige und Kaiser des öfteren in ihrer Pfalz Mühlhausen.
1135 hatte hier Kaiser Lothar III. einen Reichstag abgehalten, wo er sich mit dem Staufer Konrad von Schwaben aussöhnte.


Die deutschen Könige und Kaiser hatten im Mittelalter keinen
festen Regierungssitz, sondern zogen von Pfalz zu Pfalz um hier
die Geschicke des Landes vor Ort zu lenken.
Da dann meißtens nicht nur das Gefolge des Königs, sondern auch die Fürsten des Reiches bei einem Reichstag anwesend waren, war in der jeweiligen Pfalzstadt schon einiges los.
Zur Zeit der salischen Kaiser war es wohl die Vorburg, wo dann die Fürsten und ihr Gefolge in den festen Höfen der königlichen Ministerialen untergebracht waren, während sich in der Kernburg die königlichen Gemächer, der Tronsaal und die Königskapelle befanden.

Die Lage und Ausdehnung der sehr wahrscheinlichen Vorburg
ist immer noch unklar. Sie dürfte von der Grassegasse bis zur Hauptmannsstraße und im Süden fast bis zur Schwemmnotte gereicht gaben.
Die mögliche Planung der Neustadt mit einer via triumphalis westlich dieses Areals unterstreicht die Vermutung.
Ziemlich genau sind dagegen einige Standorte der ehemaligen Feudalhöfe bekannt, die vielleicht schon in salischer Zeit als Bühle oder feste Höfe entstanden.

1180 dann ein rigoroser Einschnitt in die Stadtgeschichte.
Heinrich der Löwe war von Kaiser Friedrich Barbarossa
wegen der Verweigerung der Heerfolge nach Italien geächtet worden und eroberte und verbrannte die Königsstädte Mühlhausen und Nordhausen.
Das Ausmaß der Zerstörung ist nicht überliefert, aber wahrscheinlich war damit das Ende der Vorburg gekommen und auch die Kernburg ist wohl nach diesem Angriff erneuert worden, wie die Funde von typisch staufischen Possenquadern vermuten lassen.


1192 tagte jedenfalls Heinrich VI. - der Sohn Barbarossas - in seiner Pfalz Mühlhausen und nach seinem Tod wurde hier
1198 sein Bruder Philipp von Schwaben von den Fürsten zum König erhoben. Ein Ereignis, das wohl auch eine erneuerte Pfalzburg voraussetzte. Philipp herrschte aber nur wenige Jahre. Er wurde 1208 ermordet.






Ob die innere Stadtmauer allerdings schon vor 1200 oder erst unter Otto IV. um 1210 errichtet wurde, ist immer noch nicht
geklärt. Sicher ist nur der Bau der Mauer zwischen der Stadt und der Burg um 125o, der die wachsende Selbständigkeit der Stadt demonstrierte.


Das Siegel der Stadt Mühlhausen zeigte um 1220 noch den König als obersten Herrscher der Stadt und das Mühlhäuser
Reichsrechtsbuch, das um 1220 als erstes Stadtrechtsbuch
in deutscher Sprache entstand, unterscheidet nicht mehr Alt-
und Neustadt, sondert spricht von des Reiches Stadt.

Nach und nach erwarben aber die Bürger der Königsstadt immer mehr Rechte.
So 1251 das wichtige Schultheißenamt, so daß jetzt nicht mehr der königliche Präfekt oder Stadtvogt, sondern der aus der Bürgerschaft gewählte Schultheiß Recht sprach. Das Zoll und Münzprivileg war bereits 1241 an die Stadt übergegangen.


1256 dann etwas ganz undenkbares für diese Zeit ..,
... die Bürger zerstörten die Reichsburg des Königs ..!
In der kaiserlosen Zeit von 1254 bis 1273, dem Interregnum, hatten ja die Ministerialen keinen eigentlichen Dienstherren.
Einige der "edlen Geschlechter " traten dem Deutschen Ritterorden bei, andere setzten auf das "Faustrecht" und setzten ihre Ansprüche mit Gewalt durch und wieder andere gingen als führende Mitglieder des Rates zur Bürgerschaft über.
"... da ist der Rath mit dem Burgern zugefahren, undt haben das Schloß eylents in grundt eingerissen undt zurschleifft ..." stand dann in der Stadtchronik und weiter heißt es dann "... einige vom Adel wurden der Stadt Feinde .."; eine Feindschaft, die der Stadt noch viele Fehden brachte. Andere söhnten sich mit dem Rat aus und hatten als reiche Grundherren noch lange das Sagen in der Stadt.




Übrigens ...,
mit der Zerstörung der Reichsburg war de facto auch die Herrschaft der königlichen Ministerialen über die Stadt zu Ende gegangen. Der Rat hatte in der "Freien Reichsstadt" die volle Selbstverwaltung übernommen.
Ach ja..
.. die Geschichte unserer Stadt geht hier natürlich weiter.., dran bleiben lohnt sich also..
Ihr Günter Körber