Sonntag, 17. April 2011

83) .. verschollenes Wissen ...

...

Also .., Smiley findet, daß es über die frühe Geschichte unserer Stadt recht wenig konkretes gibt, so daß selbst die "offiziellen" Heimathistoriker noch oft genug im Dunkeln tappen ... und wenn dann noch so ein paar Laien kommen und neue Thesen aufstellen ... dann gibt es entweder ´ne volle Breitseite .. oder die übliche Methode..., es wird einfach totgeschwiegen ..


"Judenprivileg"
 ..Und schon sind wir wieder beim Thema ... .. verschollene Synagoge ... und verschollens Wissen ..
Fangen wir noch mal mit dem Ursprung an ... Im Jahre 135 wurden die Juden aus Jerusalem von den Römern endgültig in die Diaspora vertrieben, 212 erhielten sie aber im Römischen Reich das Bürgerecht und verbreiteten sich dann auch in den damaligen römischen Gebieten Europas ... so auch in den römischen Städten an Rhein und Donau ..
Erst später zogen sie vorwiegend als Händler auch in die östlichen Gebiete und sind im 10. Jahrhundert in Magdeburg und Merseburg nachweisbar. Ludwig der Fromme (814 - 840) hatte sie unter seinen persönlichen Schutz gestellt..., ein "Privileg" das auch später von den deutschen Königen angewandt wurde (.. und ihnen mit der "Judensteuer" hohe Einnahmen sicherte ..)


In Mühlhausen wurden die Juden erstmals 1220 im Mühlhäuser Reichsrechtsbuch erwähnt, dürften aber um diese Zeit bereits hier ansässig gewesen sein. ...
und nun die große Frage ... wo ...???
Laut Liesenberg wurde die Judengasse in Mühlhausen erstmals 1440 erwähnt, dürfte aber schon wesentlich früher bestanden haben. Nun fällt auf, daß diese Judengasse - die heutige Jüdenstraße - ziemlich genau an der Trennstelle zwischen der mühlhäuser Altstadt und der Neustadt lag.







Grenzen der Kirchgemeinden im Mittelalter

Von Günther und Korf wurden im Buch "Mühlhausen" in der mittelalterlichen Siedlungstopografie (S.18) die Grenzen der alten Kirchgemeinden aufgezeigt, die wohl auch überwiegend die alten Grenzen der Stadtentwicklung darstellten.
Dabei fällt auf.., daß die Judengasse eigentlich in das Gebiet der Neustadt gehörte, denn hier verläuft die Grenze der Kirchgemeinde zwischen den Grundstücken der Kuttelgasse und der Jüdenstraße.
Es fällt weiter auf, daß die Nordseite der Jüdenstraße heute noch überwiegend zu den größeren Grundstücken am Steinweg gehört und demnach nur die Südseite für die Gebäude der mühlhäuser Juden zur Verfügung stand.
Nun wurde ja die Neustadt auch erst 1220 erstmals erwähnt (dürfte allerdings ebenso schon etwas älter gewesen sein) ... aber wenn es laut Reichsrechtsbuch schon 1220 Juden in der Stadt gab ..., wo wohnten sie dann ...???



Königsstadt im 12.Jh.
Ein Vergleich mit anderen größeren Städten in denen es "Judengassen" gab, zeigt auf, daß diese Straßen sehr oft am Rand der Städte lagen (z.B. Frankfurt u.a.) aber immer mit einem Mittelpunkt ..., der Synagoge .. ..
und in Mühlhausen mittendrin zwischen Alt- und Neustadt ..??
Von Bühner wurde im Bereich östlich der Grasegasse eine Vorburg der königlichen Reichsburg vermutet (MB. Heft 27) die doch wohl der Neustadt vorausgegangen sein müßte.
Nun stimmt auf der nebenstehenden Skizze die von mir angenommene Südgrenze der Vorburg mit der Südseite der Bebauung der Jüdengasse überein ... ein Zufall ..??
(.. eine von Bühner aufgezeigte alte Mauer im östlichen Bereich des Magdalenenweges passt ziemlich genau zu dieser Südgrenze der Vorburg)
Hatte man die Juden in Mühlhausen, die ja dem Schutz des Königs unterstanden, noch innerhalb der angenommenen Vorburg - aber doch am Rande - angesiedelt ..??
Wurde diese mögliche Vorburg dann beim Überfall Heinrich des Löwen im Jahre 1180 zerstört oder beim 1244 erwähnten Stadtbrand ... und erfolgte dann die Aufsiedelung der feudalen Grundstücke, wie es Rolf Ailepp vermutete ..??

Wenn es nach Roland Lange ginge (.. der immer noch mit den "Offiziellen" im Clinch liegt ..) müßte ja das "Judenviertel" mit dem Rathaus als Synagoge wesentlich größere Ausmaße gehabt haben ..., eine These .., die aber durch keinerlei Fakten belegbar ist ..

Natürlich sind auch meine obigen Ausführungen nur Annahmen, aber vielleicht könnten sie doch eines Tages zu genaueren Untersuchungen anregen ....
Vorausgesetzt, irgend jemand von den "offiziellen" Heimathistorikern liest überhaupt diese Beiträge ...
Bis jetzt habe ich jedenfalls von dieser Seite noch kein Echo erhalten ..



Na ja ...., Smiley meint.., daß es eigentlich schon genügt, wenn ich den zahlreichen Lesern dieser Seite mal wieder ein paar neue Gedanken vortrage ..., denn die Geschichte unserer alten Stadt hat ja in dieser Richtung einiges zu bieten ..

... In diesem Sinne ... "immer schön neugierig bleiben .."
Ihr Günter Körber

Mittwoch, 6. April 2011

82) Straßenverkehr .., früher

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Also Smiley meint.., daß hier unter "Mühlhausen - Geschichte und mehr" schon allerhand über den Verkehr in und um Mühlhausen berichtet wurde ..

.. Eisenbahn.., Straßenbahn und Automobilverkehr...

Aber eines fehlt noch .., der alte Straßenverkehr per Fuß, zu Pferd oder per Wagen...
.. und damit fing ja eigentlich alles an ..

Es begann wohl damit, daß bei der alten Unstrutfurt an der heutigen Wagenstedterbrücke von den Franken die Siedlung Mühl-hausen gegründet wurde.

Na ja.., auch vorher gab es hier alte germanische Siedlungen und es gab alte Handelswege, für die aber der Begriff "Straße" nicht zutraf .. Aus diesem Grund war auch der Wagen noch garnicht das ideale Transportmittel, sondern Material und Waren wurden oft mit Lasttieren (Maultier oder Esel) transportiert

Reiten war damals allerdings meißt das Vorrecht der Herrschenden.. Das einfache Volk ging zu Fuß.

Die frühen Fernstraßen waren oft Höhenstraßen, die geradlienig zu den größeren Orten führten. Dabei wurden oft Täler und Höhen überquert und auch größere Steigungen in Kauf genommen. Kleinere Orte wurden oft garnicht berührt und waren nur über Nebenwege erreichbar.





An den Berghängen entstanden damals oft Hohlwege. an die auch um Mühlhausen noch einige Straßennamen erinnern.


So die Pfafferöder Höhle (auf dem linken Bild) die vom Schützenberg zum alten Hessenweg auf dem Tonberg führte. Auch die Erfurter Höhle, die vom Äußeren Erfurter Tor zur alten Straße nach Langensalza führte, ist noch am jetztigen Aufgang zum Krankenhaus erkennbar. Auf der Flur zur Füllscheuer gab es einen alten Hohlweg der früheren Langen Straße, die von der Wagenstedter Brücke (der früher wichtigen Unstrutfurt) kommend vorbei an Tutensoda in den Norden führte.



Mühlhausen war im Mittelalter ein wichtiges Handelszentrum und dementsprechend führten von hier die Fernstraßen in alle Himmelsrichtungen.


Wichtige Zielorte waren u.a. Eschwege. Heiligenstadt, Duderstadt, Goslar, Nordhausen, Sondershausen, Weißensee, Erfurt, Gotha und Eisenach.

Im Mittelalter waren die Landstraßen durchweg unbefestigt, also bessere Feldwege, die bei Regenwetter nur schwer befahrbar waren.



Als Heerstraßen dienten oft die Verbindungsstraßen zwischen den Königspfalzen und die Handelswege verbanden wichtige Marktorte miteinander.


War schon der Zug des Königs von Pfalz zu Pfalz - wie er vom 10. bis 15. Jahrhundert üblich war - ein Ereignis für die Bewohner der anliegenden Ort..., war der Durchzug eines Heeres oft mit erheblichen Belastungen verbunden .. und wenn es feindliche Heere waren, auch noch mit Tod und Brandschatzung ..





Später waren es die Raubritter, welche die Landstraßen unsicher machten. Eigentlich vom König als niederer Adel zum Schutz des Reiches eingesetzt, nutzten sie oft später ihre Burgen nicht zur Bewachung der Straßen, sondern für Überfälle auf die "Pfeffersäcke"aus der Stadt, die im Gegensatz zu den Rittern zu Ansehen und Reichtum gekommen waren.

Auf den "Geleitstraßen" z.B. von Erfurt über Mühlhausen nach Heiligenstadt, zogen deshalb Bewaffnete mit den Kaufmszügen mit.

Im Dreistädtebund mit Erfurt und Nordhausen zogen die Mühlhäuser im 14. und 15. Jahrhundert öfters übers Land um die Raubnester zu zerstören.

In der Stadt waren die Bürger allerdings gut geschützt. Hier gab es jetzt auch schon befestigte Straßen, wie der schon um 1315 erwähnte Steinweg belegt. Trotzdem waren die meißten Straßen und Gassen der Innenstadt noch unbefestigt (.. und in den Vorstädten sowieso..)


Aber durch die Straßenbäche, die in der Innenstadt in vielen Straßen flossen und durch die Entwässerungskanäle (Ayzuchten).., waren die Straßen der Stadt für damalige Verhältnisse sehr sauber.

Die Freie Reichsstadt Mühlhausen gehörte ja auch um 1400 zu den zwanzig größten Städten Deutschlands.

Damals war der vierrädrige schwere Kaufmannswagen aufgekommen, mit dem die Fuhrleute übers Land zogen. Aber der wendige Zweiradwagen wurde auch noch viel benutzt, galt es doch meißt kleinere Mengen zu transportieren.

Neben dem Pferd. wurden vielfach auch Rinder und Esel als Zugtiere verwendet.







Erst relativ spät kam im 16. Jahrhundert die Kutsche für den Personentransport auf. In den zuerst ungefederten Kastenwagen war das Reisen damit wohl auch kein Vergnügen. Später wurde der Kutschkasten auf Lederriemen aufgehangen, was die Sache schon etwas bequemer machte.

Vielfach wurde aber, auch über weite Strecken, noch geritten oder es ging zu Fuß von Ort zu Ort.



Mühlhausen war inzwischen eine wehrhafte Stadt geworden. Die innere Stadtmauer mit ihren sieben Stadttoren, die jeweils noch ein Vortor hatten, wie das nachstehende Erfurter Tor, schützen die eigentliche Innenstadt.





Die fünf Vorstädte waren durch die äußere Stadtmauer geschützt, an der 9 äußere Stadttore den Ein- und Ausgang zur Stadt absicherten. Auf dem Bild das Wagenstedter- oder Schindertor mit der alten Wagenstedterbrücke. Hier befand sich früher die alte Unstrutfurt, an der die Franken bei St.Georgi wahrscheinlich im 8.-9. Jahrhundert den Ort Mühlhausen gründeten.






Das Gebiet der Freien Reichsstadt mit über 60 Dörfern wurde um 1370 im Westen und Norden durch den 26 km langen Landgraben geschützt, der nicht nur die feindlichen Feudalherren aus dem Eisfeld abhalten sollte, sondern mit den 6 Wegewarten auch eine Kontrolle der Landstraßen ermöglichte. Nachstehend die heute noch gut erhaltene Lengefelder Warte an der Straße nach Dingelstädt.


Die Kaufleute mit ihren schweren Planwagen, die oft von zwei bis vier Pferden gezogen wurden, mußten dann an den Warten und Toren entsprechende Wege- bzw. Einfuhrzölle bezahlen. Aber auch der fremde Wandersmann mußte seinen Obulus entrichten.


Deshalb waren oft auch die Gasthäuser der Vorstädte beliebter bei Durchreisenden, weil man so das Torgeld an den Innenstadttoren einsparte.


Ganz unsicher wurden dann die Straßen im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 48) wo andauernd Truppen durch das reichsstädtische Gebiet zogen. Jetzt war die früher so günstige Lage garnicht mehr so ideal, denn es zogen immer wieder neue Truppen durchs Land. Dabei war es oft egal ob es Freund oder Feind war, fast alle plünderten die Bevölkerung aus.


Nach dem Krieg waren ganze Landstriche verarmt und Landstreicher und Bettler zogen durch das Land.Erst allmählich erholte sich das Land wieder und Handel und Verkehr nahmen wieder zu. Auch das Reisen war wieder sicherer geworden, nachdem auch um Mühlhausen herum die letzten marodierenden Banden vertrieben wurden.


Damals gab es auch oft auf den Straßen die Wanderhandwerker, wie Scherenschleifer und Kesselflicker. Aber auch die Bauern aus der Umgebung brachten ihre Erzeugnisse oft zu Fuß in die Stadt, um sie auf dem Markt anzubieten.Oft war es aber ein beschwerliches Wandern. Vielfach ohne ausreichende Mittel für eine Einkehr ins Wirtshaus oder für eine Schlafstelle.Als die bisherige Freie Reichsstadt im Jahre 1802 zum Königreich Preußen kam, bestanden die alten Straßen aus dem Mittelalter überwiegend noch. Auf den alten Straßen zogen die Hausierer durchs Land und immer mehr Heimarbeiter brachten jetzt ihre Erzeugnisse in die Stadt, wo nach und nach mit den Manufakturen ein neuer Wirtschaftszweig entstand.




Aber auch Wallfahrer gab es noch auf den Straßen, besonders im benachbarten Eichsfeld, wo allerdings Anfang des 19. Jahrhundert zahlreiche Klöster säkularisiert wurden.














Aber noch war das Handwerk mit seinem Gesellenwandern nicht ausgestorben und so zogen die Handwerksburschen durchs Land von Ort zu Ort.


Auch in Mühlhausen gab es mehrere Zunftherbergen, wo der zünftige Geselle Unterkunft und Verpflegung fand und wo ihm oft noch eine Arbeit bei einem Meister vermittelt wurde.














In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden dann die wichtigsten Fernstraßen um Mühlhausen chaussiert. Die Straßen wurden mit Schotter u.ä. befestigt und teilweise sogar gepflastert.


Chausseegräben wurden angelegt und an der Straße von Gotha nach Heiligenstadt wurden nach sächsischem Vorbild hohe Meilensteine gesetzt.






Auf dem topogaphischen Meßtischblatt von Mühlhausen und Umgebung aus dem Jahre 1854 ist an den alten Feldwegen noch die mittelalterliche Straßenführung überwiegend erkennbar. Durch die Flurbereinigungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fielen aber zahlreiche alte Wege weg, so daß heute nur noch ganz wenige Straßen- und Flurbezeichnungen daran erinnern.










Verschwunden sind inzwischen auch die meisten Stadttore, die zwischen 1801 und 1891 abgebrochen wurden. Hier auf einer Zeichnung von Carl Michel der Durchbruch der Stadtmauer am früheren Erfurter Tor, das 1841 abgerissen wurde.


Die Mühlhäuser waren über den Abriss damals garnicht böse, hatten sie doch den täglichen Toresschluss bei Sonnenuntergang und auch das dann zu zahlende Torgeld in schlechter Erinnerung.










Anstatt der Stadttore gab es jetzt am Beginn der Landstraßen die Chausseehäuschen, wo ein Chausseegeld für die Straßenpflege kassiert wurde. (Die Maut ist also keine neue Erfindung)


Das nebenstehende Chausseehaus an der Ecke Wagenstedter Straße - Windeberger Straße wurde erst in den zwanziger Jahren abgebrochen.













Bereits im 18. Jahrhundert waren die ersten Postkutschen entstanden, mit denen man von einer Stadt zur anderen fahren konnte. Durch Mühlhausen führten um 1820 acht Postkutschenrouten, so z.B von Erfurt nach Göttingen oder von Eisenach nach Sondershausen.


Erst mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz ab 1870 wurden die Postkutschenlinien aufgegeben. Die letzte Postkutsche fuhr dann 1897 von Mühlhausen nach Schlotheim.






Allerdings konnte sich auch damals nicht jeder die Fahrt mit der Postkutsche leisten und immer noch waren zahlreiche Hausierer, Handwerksgesellen, aber auch Landstreicher, auf Schusters Rappen unterwegs.


Erst als die Eisenbahn von Mühlhausen in alle Richtungen fuhr, waren jetzt zahlreiche Dörfer besser erreichbar geworden, wobei man allerdings auch noch oft einen gehörigen Fußmarsch bis zum Bahnhof hatte.






Wer es sich leisten konnte, fuhr jetzt mit der eigenen Kutsche und für den städtischen Verkehr gab es jetzt auch in Mühlhausen Pferdedroschken, die ihren Standplatz am Bahnhof hatten.






















Für den Waren- und Materialtransport gab es jetzt die verschiedensten Pferdewagen. Am meißten wurde der Leiterwagen benutzt, der durch Einsätze zum Kastenwagen umgestaltet werden konnte und auf dem Dorf auch oft von Ochsen gezogen wurde.


In der Stadt übernahmen jetzt die Speditionen zahlreiche Transporte und der flache Tafelwagen und der geschlossene Möbelwagen waren jetzt öfter zu sehen.






























Oft waren auch die Bierwagen der Brauereien unterwegs. Von den 16 Brauereien im 19. Jahrhundert blieben aber dann nur noch die vier größten übrig und heute hat Mühlhausen gar keine Brauerei mehr.

















Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich das Stadtbild und der Straßenverkehr grundlegend verändert.


Die neuen Straßen hatten jetzt breite "Bürgersteige" (... und trotzdem gab es auch noch viele Fußgänger auf der Straße, aber damals gab es ja auch gerade mal 1 oder 2 Automobile in der Stadt und die neue Straßenbahn störte auch noch nicht so sehr ..)






Und trotz der neuen Straßenbahn zum Stadtwald, gingen auch damals noch viele Spaziergänger zu Fuß zum Weißen Haus oder nach Peterhof .. (für das eingesparte Geld konnte man schon wieder ein Bier mehr trinken)



















Als dann nach dem ersten Weltkrieg zahlreiche Wirtschaftszweige zusammenbrachen, kamen auch die "Tippelbrüder" wieder in Mode, aber die Zeiten, wo auf den Landstraßen Wandersleute, Reiter und Pferdefuhrwerke vorherrschten, ging langsam zu Ende.



Jetzt eroberte das Automobil die Straßen und es war nur eine Frage der Zeit, wo mit den Autobahnen neue Fernverkehrswege nur für Kraftfahrzeuge entstanden.., aber das Kapitel hatten wir ja schon ...












Tja.., Smiley ist jetzt wieder von seinem hohen Ross gestiegen ..., auf den Straßen ist das heute doch zu gefährlich ...



also..., bis auf weiteres ... GK ..


Samstag, 19. März 2011

81) Ausgegrenzt ...

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.. Ausgegrenzt.., Abgegrenzt ..



.. Smiley stellt fest, daß es auch in der Geschichte unserer Stadt immer wieder zu Abgrenzungen und Ausgrenzungen kam ..


Das bekannteste Beispiel im Mittelalter ist wohl die Ausgrenzung der Juden ..
Als "Christusmörder" allenfalls geduldet, unterstanden sie zwar dem Schutz des Kaisers - der allerdings dafür eine hohe Judensteuer einforderte - aber die Teilnahme am öffentlichen Leben oder die Aufnahme in eine ehrsame Handwerkerzunft war ihnen verwehrt.

So konnten die Juden nur als Händler und Geldverleiher wirksam werden.
Immer wieder wurde ihnen Greueltaten zugeschrieben, die dann Anlass zu Judenprogromen waren. So wurden 1349 alle Juden der Stadt ermordet und 1452 wurden alle Juden enteignet und aus der Stadt ausgewiesen.
Auch in der Folgezeit immer wieder drangsaliert, gab es bis Ende des 18. Jahrhunderts zeitweise gar keine jüdische Mitwohner in der Stadt




Im Mittelalter wurde nicht nur ausgegrenzt, sondern man grenzte sich auch gehörig ab.
Die Freie Reichsstadt Mühlhausen hatte bis Mitte des 14. Jahrhunderts ein umfangreiches Gebiet erworben, das um 1370 durch den mühlhäuser Landgraben nach Westen und Norden abgegrenzt wurde. Dort lag im Eichsfeld das kurmainzische Gebiet, in dem allerdings zahlreiche Feudalherren recht selbständig herrschten und des öfteren das mühlhäuser Gebiet überfielen.



Am 26 km langen Landgraben waren an den Landstraßen sechs Grenzwarten angeordnet, wo der Zugang zum Gebiet der Freien Reichsstadt kontrolliert wurde.
Sowohl hier , wie auch an den Stadttoren, mußte ein Wegezoll entrichtet werden. Eine Sitte, die das Reisen durch die zahlreichen "Ländle" im Reich nicht gerade attraktiv machte.





Ausgegrenzt aus der Gesellschaft waren damals grundsätzlich die Gesetzesbrecher.
Schon im mühlhäuser Reichsrechtsbuch wurde um 1220 geschrieben, ".. wer rechtlos sei .." und welche Strafen auf, Mord, Verwundung, Notzucht oder Diebstahl stehen.
Köpfen, Hängen. Rädern, Verbrennen, Vierteilen oder Ertränken usw., usw. ..., man hatte oft grausaume Methoden die Täter ins Jenseits zu befördern.

Und dort im Jenseits wartete natürlich die Hölle auf die Abgeurteilten, denn ein christliches Begräbnis war völlig ausgeschlossen. Die Leichen kamen meist in die Kalkgrube neben der Richtstätte am Galgenberg, dem heutigen Schützenberg.
Auch Selbstmörder wurden vom christlichen Begräbnis ausgeschlossen und mußten meißt von den Angehörigen irgendwo vor den Toren der Stadt verscharrt werden.










Ausgegrenzt waren aber auch die "ehrlosen" Berufe. Der Scharfrichter bzw. Henker durfte sich in der Wirtschaft nicht zu den ehrsamen Bürgern setzen, sondern hatte seinen eigenen, von allen gemiedenen Platz.
"Ehrlos" waten aber auch die Totengräber, die Abdecker, die Kloakenreiniger usw.
Im 16. Jahrhundert lag die städtische Abdeckerei an der Wagenstedter Brücke, die dann auch als Schinderbrücke und das Tor als Schindertor bezeichnet wurde.
Auch das fahrende Volk, Musikanten und Gaukler, Landstreicher und Bettler, wurde von allen gemieden.



Ausgegrenzt und gemieden wurden auch die Kranken, Hilflosen und Gebrechlichen.
Besonders die vom "Aussatz" befallenen Leprakranken wurden aus der Stadt ausgewiesen und kamen, wenn sie Glück und Geld hatten, in eins der Leprosenheime vor der Stadt.
In die Stadt durfte nur der Klingelmann, ein Knecht des Leprahauses, der Almosen für die Kranken einsammelte.
Wer nicht im Leprahaus unterkam, vegetierte meist mit anderen Kranken als "Feldsiecher" im Freien oder im Wald, bis zu seinem frühen Tod.



An der Landstraße nach Langensalza lag unterhalb des Schadeberges die Leprastation Ämilienhausen.
Wer hier Aufnahme fand, wurde zwar versorgt, konnte aber die Hoffnung aufgeben, jemals in die Stadt oder zu seiner Familie zurück zu kehren.
Die Lepra ging erst im 18. Jahrhundert soweit zurück, daß das Leprahaus geschlossen und später als Hospital für Pfründner genutzt werden konnte.


Das 16. Jahrhundert war nicht nur die Zeit des Bauernkrieges, sondern auch des religiösen Umbruchs.
So setzten sich um 1550 die Protestanten auch in Mühlhausen im dritten Anlauf durch ... und aus den verbliebenen "Altgläubigen" wurden wieder einmal Ausgegrenzte.
Nachdem die Kornmarktskirche als letzte katholische Kirche der Stadt geschlossen wurde, bekamen jetzt die letzten verstorbenen Altgläubigen kein christliches Begräbnis mehr und wurden in ungeweihter Erde bestattet.

Nicht nur ausgegrenzt, sondern ausgerottet, wurden im 16. Jahrhundert auch bei uns die Wiedertäufer...., eine Vorgängerform der heutigen Baptisten, welche die Erwachsenentaufe praktizieren.
1536 wurden in der Stadt 10 Wiedertäufer, darunter 8 Frauen, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten, am tiefen Wasser in der Unstrut ertränkt. (Das tiefe Wasser befand sich am damaligen Untrutbogen an der Landstraße nach Ammern)
Noch 1584 wurde in der Vogtei, wo die Täufer zahlreiche Anhänger hatten, der letzte Wiedertäufer in Thüringen verbrannt.





Ausgegrenzt wurden um späten Mittelalter auch die an der Pest Erkrankten.
Immer wieder suchte die "Geißel Europas .." auch die Bürger der Freien Reichsstadt heim.
1348 war der "schwarze Tod" in Marseille ausgebrochen und griff rasend schnell auf ganz Europa über. Die erste große Pestwelle wütete 1348 bis 1350 in Mühlhausen. Man beschuldigte die Juden, die Brunnen vergiftet zu haben und ermordete sie in vielen Staädten.
Noch im 17.Jahrhundert wütete die Pest mehrmals in der Stadt und forderte 1682/83 über 4.000 Tote.

1683 wurden Jakobikirche und Kilianikirche als "Pestkirchen" genutzt.
Nur hier durften Familienangehörige von Pestkranken zum Gottesdienst gehen. Viele allerdings trauten sich sowieso schon nicht mehr aus dem Haus..., denn sie wurden ".. gemieden wie die Pest .."



Gemieden wurde möglichst auch die Gegend am Tollturm in der Hexengasse.
Der heute noch vorhandene runde Stadtmauerturm wurde früher oft als Gefängnis und wohl auch als Tollturm für "unsinnige" d.h. irrsinnige Leute genutzt. Hier an dem abelegenen Turm störte das Toben und Schreien der Kranken, die oft angekettet waren, die Bewohner nicht allzu sehr.
Auch die gefangen gesetzten "Hexen" wurden hier wahrscheinlich untergebracht, wie der Name der Hexengasse vermuten lässt.




Die Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts zeigen den ganzen Wahnwitz des Aberglaubens in dieser Zeit.
Es genügte eine böswillige Anschuldigung, um die verdächtigte "Hexe" einzusperren und bei der "peinlichen Befragung" bekam man meist die gewünschten Bekenntnisse.
83 Hexen, vorwiegend Frauen, wurden damals in Mühlhausen "überführt" und meißtens verbrannt, die letzte 1731 ..!!!












Da war der "Badekorb", der sich vor dem Pfortentor am Burgteich befand, fast eine Volksbelustigung dagegen.
Kleinere Diebstähle oder ähnliches wurden hier geahndet.
Der Dieb wurde in den Korb gesteckt, dann über den Teich geschwenkt ".. und dann zog man den Riegel und es machte plump und er lag im Teiche .." schrieb Altenburg 1824 ..
Da war der Badekorb aber bereits einige Jahrzehnte vorher abgebrochen worden.
Ausgegrenzt wurden die Bestraften oft trotzdem noch und vom Büttel mit Rutenhieben auf ewig aus der Stadt vertrieben.


Auch das "Drillhäuschen" auf dem Obermarkt war so eine Gaudi für´s Volk.
Hier wurde der Deliquent meißt für mehrere Stunden eingesperrt und die Stadtknechte setzten den drehbaren Gitterkorb in Bewegung. Je nach Laune des Publikums wurde das Opfer nicht nur mit Beschimpfungen überhäuft, sondern oft auch mit Unrat und ähnlichem beworfen.




Nicht nur ausgegrenzt, sondern auch vogelfrei, waren im Mittelalter meißt die Sinti und Roma.
Das fahrende Volk wurde auch später in vielen Städten nicht geduldet und über die Grenze in´s Nachbarland abgeschoben.
Nun waren zwar die Grenzen oft nicht weit ..., aber im nächsten Land drohte ihnen wahrscheinlich dasselbe Schicksal.
Das Lied".. Lustig ist das Zigeunerleben .." traf wohl in den seltensten Fällen zu.

Auch die Landstreicher, die damals per Pedes von Ort zu Ort zogen, gehörten zu den Ausgegrenzten.
Wer wollte so einem abgerissenen Vagabunden schon Unterkunft und Arbeit geben ..??
Das sich diese dann einen Bissen Brot stehlen mußten, um nicht zu verhungern, machte sie beim ehrbaren Bürger auch nicht beliebter.
Da hatten es die Handwerksgesellen auf der Walz schon besser. Auch in Mühlhausen gab es mehrere Zunftherbergen, wo die "zünftigen" Gesellen Kost und Unterkunft fanden.




Als Mühlhausen 1802 zum Königreich Preußen kam, gab es schon einige Jahre die Schulpflicht für Jungen und Mädchen, aber das Schulgeld konnten sich viele Eltern nicht leisten.
1833 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Predigerklosters am unteren Steinweg die neue Volks- und Armenschule eröffnet, wo auch die Kinder armer Eltern unterrichtet wurden.
(Später war dann hier die Pestalozzischule)


Überhaupt war die Kinderzeit in manchen Familien von Not und Armut geprägt. Oft mußten die Kinder bei der Arbeit helfen und im Winter mußte oft das dringend benötigte Brennholz im Wald gesucht werden. Wozu man allerdings einen Holzleseschein brauchte, denn sonst kassierte der Forstaufseher das gesammelte Holz ein.













Als die Stadt 1806 zum Königreich Westphalen kam, wurde zwei Jahre später der "Code Napoleon" auch hier eingeführt, nach dem die Juden als gleichberechtigte Bürger anerkannt wurden.
Schon Ende des 18. Jahrhunderts hatten einige "Schutzjuden" in der Stadt wieder Fuß gefasst und einige wohnten jetzt auch außerhalb der alten Judengasse. Am Petristeinweg gab es eine Judenherberge für durchreisende Juden. Bettelnde Juden wurden sofort aus der Stadt ausgewiesen.
In der Jakobistraße hatte der Jude Süßmann-Oppenheim dann auch schon eine Raschwarenfabrik, die ja nicht an die strengen Zunftordnungen gebunden war.


Um 1670 wurde von der Stadt gefordert, die bisherige ungenutzte Synagoge abzureißen. Es handelte sich wohl um die frühere Hinterhaussynagoge in der Judengasse, wo einige Häuser ja zwischenzeitlich von mühlhäuser Bürgern genutzt wurden.

1841/42 entstand dann die neue Hinterhaus-Synagoge in der Jüdengasse. Es gab wieder eine jüdische Gemeinde und einige Juden wurden als Geschäftsleute, Fabrikanten, Rechtsanwälte und Ärzte, zu anerkannten Bürgern der Stadt.







Wenig anerkannt waren jetzt oft die ehemaligen Handwerker.

Nach der Aufhebung des Zunftzwanges und der jetzt einsetzenden Mechanisierung der Arbeit entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts zahlreiche neue Fabriken.
Aus dem zünftigen Wandergesellen war oft der heimatlose Landstreicher geworden. Statt der Zunfherbergen gab es jetzt das christliche Hospiz, in dem man aber auch nur gegen Bezahlung unterkam.




Bereits 1702 war in der Hauptmannstraße an Stelle des bisherigen Hauptmannshofes das städtische Waisenhaus entstanden, das dann auch als Zucht- und Arbeitshaus genutzt wurde.
1823 wurde ein städtisches Statut beschlossen, nach dem Sträflinge und Arbeitsscheue, aber auch Leute, die sonst keine Arbeit fanden, hier untergebracht wurden und die hier ihren Unterhalt verdienen mußten.



Ende des 19. Jahrhunderts war dann Mühlhausen eine kleine Industriestadt, in der jetzt zahlreiche Einwohner als Fabrikarbeiter ihren Unterhalt verdienten.
Aber diese Arbeit war auch nicht immer sicher. Wurde wegen geringer Löhne gestreikt, folgte sofort die Entlassung und wer erst mal auf der schwarzen Liste stand, fand so schnell wo anders keine Arbeit.
In vielen Familien war deshalb oft Heimarbeit für die ganze Fanilie gegen einen Hungerlohn angesagt.



1874 hatte sich die erste sozialdemokratische Ortsgruppe in Mühlhausen gebildet, die 1878 bis 1890 durch das "Sozialistengesetz" verboten wurde.
Trotzdem gab es immer wieder Kundgebungen und Versammlungen der Arbeiter, die auch in Mühlhausen gewaltsam aufgelöst wurden.
Bei der Auflösung einer Versammlung in Weimars Felsenkeller durch die hier stationierten Ulanen, wurden über 30 Teilnehmer verletzt.
Im gleichen Jahr fand in Mühlhausen auch die erste Maifeier statt und die Fabrikanten schlossen die Teilnehmer an den Versammlungen von der weiteren Arbeit aus.



Ausgeschlossen bzw. entlassen waren auch viele Arbeiter nach dem
1. Weltkrieg. Zahlreiche Firmen waren besonders während der Inflation 1922/23 in Konkurs gegangen.
Zahlreiche Arbeiter landeten im Bereich der Obdachlosen oder zogen als Landstreicher durchs Land.
Bereits 1886 war ein ehemaliges Fabrikgebäude in der Spielbergstraße für Hospitaltiten und Obdachlose eingerichtet worden. Noch 1943 wohnten hier in der "Börsche" 17 Familien in primitiven Verhältnissen.
Auch vor Görmar war 1927 ein Barackenlager mit 24 Wohnungen geschaffen worden, wo dann die Ärmsten der Armen "wohnten".




Als 1933 die NSDAP an die Macht kam, begann eine neue Phase der Volksverhetzung und Ausgrenzung der"Anderen".

Zur "Volksgemeinschaft" zählte nur die arische Rasse und für die Anderen und anders Denkenden gab es die Konzentrationslager, die bald im ganzen Reich entstanden.




Zu den "Anderen" gehörten natürlich zuerst die Bolschewisten und Juden.
Hitler hatte schon früh das "internationale Judentum und die jüdische Rasse" als Ursache allen Übels dargestellt und bald nach seiner "Machtergreifung" fand eine wüste Rassenhetze statt.
Nach den ersten Boykott-Tagen von 1933, folgten 1935 die "Nürnberger Gesetze" mit denen die Juden aus der "Volksgemeinschaft" ausgeschlossen wurden.
So mußte auch der Kaufhausbesitzer Eckmann als einer der ersten die Stadt verlassen und wanderte nach Israel aus.

Bald blieb es nicht nur bei Boykottaufrufen, sondern es folgte die Enteignung jüdischer Geschäfte. Rechtsanwälte und Ärzte mußten ihre Praxen schließen.
In der Reichsprogromnacht 1938 wurde die Synagoge in der jetztigen Horst-Wessel-Straße gestürmt und demoliert, wobei der NSDAP-Kreisleiter Vollrath den Rabbiner Rosenau durch einen Pistolenschuss schwer verwundete.
31 jüdische Männer wurden inhaftiert und in der Turnhalle des "Fritz-Sauckel-Hauses" (am heutigen Kristanplatz) festgesetzt. Sie kamen ins KZ Buchenwald, wurden aber aber nach der Zusage auszuwandern entlassen.


Auch die Sinti und Roma wurden als Fremdrassige von den Nazis unterdrückt und verfolgt.
1939 wurde ihnen das frühere "Pulverhäuschen" an der Hollenbacher Landstraße als Unterkunft zugewiesen. In den zwei Räumen und den mitgebrachten Wohnwagen hausten zeitweilig mehr als 48 Personen unter menschenunwürdigen Verhältnissen.
1943 kamen 14 mühlhäuser "Zigeuner" ins KZ, wo noch im selben Jahr zwei Söhne der Familie Weiß - 10 und 12 Jahre alt - ermordet wurden.
Nur wenige Sinti und Roma überlebten diese systematische Ausrottungspolitik, die dann auch noch unheilbar Kranke (Geisteskranke, Epileptiker und anderes "unwertes Leben") und natürlich wieder die Juden umfasste.

1943 begann dann in Mühlhausen auch die "Endlösung der Judenfrage", wo die restlichen noch hier verbliebenen jüdischen Familien in die Konzentratuonslager eingeliefert und dort überwiegend ermordet wurden.
Carsten Liesenberg hat in seiner "Geschichte der Juden in Mühlhausen ..." den Leidensweg der mhlhäuser Juden umfassend und eindrucksvoll dargestellt.

Aus den "Judenhäusern", wo die Familien zuletzt zusammengepfercht leben mußten, zusammen getrieben und dann entweder nach Auschwitz oder gleich ins Vernichtungslager Majdanek transportiert, ist das persönliche Leid kaum noch beschreibbar.
Von den früheren Juden in Mühlhausen überlebten nur die wenigen Familien, die rechtzeitig auswandern konnten.
..... 59 Personen aus Mühlhausen fielen der Shoa zum Opfer....



Ausgegrenzt wurden 1945 ebenfalls ganze Bevölkerungsgruppen, die auf derFlucht oder durch "Aussiedelung" ihre Heimat verloren.
Ost- und Westpreußen, Schlesier und "Volksdeutsche" aus dem Sudetengau, verloren auf der Flucht oft nicht nur ihre letzte Habe, sondern oft auch einen Teil der Familie.



Da war ein Brot für die ganze Familie schon etwas besonderes. Mit Kartoffeln und Ähren stoppeln, Brennholz sammeln und beim Bauern die allerletzten Habseligkeiten eintauschen, hielten sich viele notdürftig am Leben.
Viele Väter und Söhne waren aus dem 2. Weltkrieg nicht nach Hause gekommen und viele Frauen mussten sehen, wie sie ihre Kinder versorgten.
(.. wobei sich allerdings manche Kinder zu wahren Spezialisten entwickelten, wenn es galt etwas "zu besorgen" ..)



In der SBZ bzw. der späteren DDR wurden jetzt andere ausgegrenzt ...
Kapitalisten und Großgrundbesitzer .. deren Besitz dann oft verstaatlicht wurde und die dann zum großen Teil "in den Westen" flüchteten.


Abgegrenzt hatte sich dann der "erste Arbeiter- und Bauernstaat" am 13. August 1961, wo mit dem Bau der berliner Mauer die totale Abschottung der DDR-Bürger vom "kapitalistischen Westen" begann.








Konnte man vor 1961 noch unter erschwerten Bedinungen in die BRD reisen, war jetzt an der "Staatsgrenze West" endgültig Schluss damit.
Wer es trotzdem versuchte, riskierte sein Leben oder machte, wenn er geschnappt wurde, mit den Haftanstalten des sozialistischen Staates Bekanntschaft.









Als in den siebziger Jahren mit Wolf Biermann so etwas wie eine Opposition unter den DDR-Künstlern aufkam, wurde die Stasi schnell tätig. Biermann wurde 1976 ausgebürgert und bald folgten ihm in den Folgejahren weitere.
Wer nicht so bekannt war, der kam gleich in die Fänge der Staatssicherheit und wenn man dnn noch "Westfernsehen" schaute, war man ja gleich richtig verdächtig.
(Viele "Westantennen" wanderten deshalb damals vom Dach unters Dach)

Ganz verdächtig waren natürlich damals die echten Friedenskämpfer, die mit ihren Parolen "Schwerter zu Pflugscharen" oder "Frieden schaffen ohne Waffen". nicht gerade der Parteilinie entsprachen.
Kirche und Junge Gemeinde standen deshalb auch besonders unter Beobachtung des MfS und auch hier kam es dann in den achtziger Jahren zu Ausweisungen systemkritischer Personen, oft mit der ganzen Familie.






Wie sich das für einen gut organisierten Überwachungsstaat gehört, wollte man auch für den "Ernstfall" gerüstet sein und sah schon mal die Unterbringung "gefährlicher" Personen in Isolierobjekten vor. In Mühlhausen war hierfür die Turnhalle der POS XI in der Friedensstraße vorgesehen, die kurzfristig für die Aufnahme einiger hundert "feindlicher Elemente" umgerüstet werden sollte.
.... und dann kam alles anders ..
Stasi-Leute und IM wurden plötzlich arbeitslos (.. einige konnten allerdings noch schnell bei bekannten Betriebnsleitern unterkommen..)
... und nach der Wende und der großen Freiheit, kam die von allen ersehnte Einheit ...

.... und jetzt ..., keine Ausgegrenzten mehr ...???
Na ja .. auch die soziale Marktwirtschaft hat ja auch noch ihre Mängel ...
Nicht bei den Reichen und Schönen..., sondern bei der von Sarrazin als "Unterschicht" eingeordneten Bevölkerung, wie Hartz-IV-Empfänger, Sozialschmarotzer usw.
Die holen sich dann an der Tafel - wie hier hinter dem mühlhäuser Bahnhof - die Lebensmittel, die ja eigentlich laut EU-Verordnung auf den Müll gehört ...
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Na ja .. meint Smiley .. und ein paar Obdachlose gibt es auch noch, aber die konnten ja im Winter über Nacht in die Obdachlosenheime ...
.. und außerdem ..., warum machen sie sich nicht selbständig, oder versuchen bei DSDS ihr Glück ..??
.. es gibt doch viele Millionäre, die mal klein angefangen haben .. oder ..??
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.. Übrigens .., die Auflistung aller 81 Beiträge von "Mühlhausen - Geschichte und mehr" befindet sich nach wie vor im Beitrag Nr.1 vom Dezember 2009 ..

MfG Günter Körber
MHL den 19.03.2011