Sonntag, 7. März 2010

25) Thüringen ab 1800


Das 19. Jahrhundert beginnt mit einem Paukenchlag.
Napoleon Bonaparte wird erster Konsul und 1804 Kaiser von Frankreich. Er erzwingt im Frieden von Luneville die Umgestaltung Deutschlands, die auch für Thüringen erhebliche Veränderungen brachte.
Die kirchlichen Gebiete wurden überwiegend säkularisiert und fast alle Reichsstädte aufgeteilt.
Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt (1806) wurde Preußen besetzt und die Gebiete westlich der Elbe kamen überwiegend zum neuen Königreich Westfalen. Erfurt wurde französische Festung.






Erst nach dem Befreiungskrieg (1813/14) bekam Preußen seine alten und neuen Gebiete - mit erheblichem Zugewinn - wieder.
Es entstand der Regierungsbezirk Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen und in der Folgezeit wurde das Königreich Preußen zur führenden Macht in Deutschland.





Während die Residenzstädte der Fürstentümer mit ihren Schlössern und Theatern oft kulturelle Anziehungspunkte darstellten, entwickelte sich Erfurt zum wirtschaftlichen Zentrum Thüringens.









Mühlhausen war zwar jetzt preußische Kreisstadt, blieb aber noch einige Zeit die kleine Ackerbürgerstadt, in der nur zögernd die ersten Fabriken entstanden.







Einen wesentlichen Fortschritt brachte der Eisenbahnbau für Thüringen. Nach dem Bau der Eisenbahn Halle - Leipzig - Erfurt - Eisenach - Kassel im Jahre 1849, folgten 1858 die Eisenbahn von Eisenach über Meinigen nach Coburg und 1867 von Halle über Leinefelde nach Kassel.
Mit der Eisenbahn Gotha - Mühlhausen - Leinefelde entstand 1870 eine wichtige Querverbindnung. Später wurden dann noch zahlreiche Klein- und Nebenbahnen in ganz Thüringen gebaut.




Eisenach war im 18. Jahrhundert die Residenzstadt von Sachsen-Eisenach.
1817 fand auf der Wartburg das Burschenschaftstreffen der deutschen Studenten statt. Ab 1838 wurde dann die Burg in der heutigen Form restauriert und umgebaut.
Nach dem Bau der Eisenbahn entwickelte sich auch die Stadt weiter, blieb aber bis 1918 Teil des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach.




 

Sondershausen war lange Zeit die Residenzstadt des Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, zu dem auch das Amt Arnstadt und Gehren gehörte.
Als die Linie mit dem kinderlosen Fürst Karl Günther ausstarb, wurde sie dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt zugeordnet, die bis 1918 bestand.







Meiningen war seit der Teilung von Sachsen-Gotha im Jahre 1681 die Residenz von Sachsen-Meiningen, ein Gebiet, das 1826 bei einer Neuaufteilung des gothaer Stammlandes erweitert wurde.
Besonders unter dem "Theaterherzog" Georg II. wurde Meiningen zum kulturellen Zentrum in Westthüringen.






1866 traten die meißten thüringer Fürstentümer dem norddeutschen Bund unter der Führung Preußens bei, behielten aber auch mit der Reichsgründung 1871 noch ihre Selbständigkeit.
In Thüringen bestanden damals neben den preußischen Gebieten noch das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herzogtümer Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg, die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sonderhausen, sowie die reußischen Fürstentümer mit Gera und Greiz als Residenzen.







Das Land selbst blieb noch lange das idyllische Bergland, mit idyllischen, aber oft armen Dörfern und meist kleinen idyllischen Städten, in denen sich oft ein bodenständisches Handwerk, wie die Glasbläserei, entwickelte.
So hatte sich dann auch in Suhl aus den Büchsenmachern unter dem preußischen Regime die Waffenindustrie entwickelt und auch in Apolda und Mühlhausen entstand aus dem Textilhandwerk eine aufblühende Textilindustrie.






Mit der Reichsgründung 1871 kam auch die einheitliche Währung und nach und nach auch mehr Wohlstand in das Land.
Das "Wilhelminische Zeitalter" prägte auch die Herzog- und Fürstentümer in Thüringen. So zogen die Soldaten jetzt nicht mehr für den Fürsten, sondern für Kaiser und Vaterland in den Krieg ... und das war ja auch schon was!






Nach dem 1.Weltkrieg hatten aber dann die Soldaten und das Volk von Kaiser und Fürsten die Nase voll .... und zwangen sie zur Abdankung.
Thüringen wurde in der Weimarer Republik ein Freistaat, wobei der Norden des zu Thüringen gerechneten Gebietes zur preußischen Provinz Sachsen gehörte. Der Süden mit Coburg war an Bayern gegangen.







In den zwanziger Jahren gab es ein ständiges auf und ab in der Politik und in der Wirtschaft.
Rotfront kämpfte gegen SA und Stahlhelm, die Nazis gegen KPD und SPD, die Arbeiter gegen die Arbeitslosigkeit und die Armut und die Fürsten um ihren Besitz.
Die Wirtschaft kämpfte ums Überleben und viele Betriebe gingen Pleite.
Trotzdem ..., wenn die Schützenkompanien oder die Traditionsverbände aufmarschierten .., schlug das Herz eines guten Deutschen immer noch höher!!!



 

Nur auf dem Lande ging es immer noch nach alter thüringer Art ..., eben "idyllisch" zu. Der Landmann bestellte sein Feld, die Kühe weideten auf der Wiese .., die Kinder gingen in die Einklassenschule .. und wer hier keine Arbeit hatte, fuhr eben mit der Kleinbahn in die Stadt, wo es vielleicht wieder eine Fabrik gab, die Arbeit hatte.
Aber dann kam wieder eine neue Zeit.
Der Bauer gehörte jetzt dem Reichsnährstand an. Die Söhne kamen in den Arbeitsdient oder zur Wehrmacht und die Jungen und Mädchen konnten sich schon mal in der HJ oder dem BdM auf die nächsten tausend Jahre vorbereiten.




Ja ... und dann dauerte das tausendjährige Reich nur zwölf Jahre und stürzte dabei nicht nur Thüringen, sondern eine ganze Welt in Tod und Zerstörung.
Angefangen hatte es noch typisch deutsch. Es wurde mehr marschiert (auch mit Musik) und es wurde mehr gebaut (allerdings vor allem Kasernen, Rüstungsbetriebe, Autobahnen und der Westwall) und aus dem Land Thüringen wurde jetzt ein Gau, mit dem Gauleiter Sauckel, der dann auch für den Fremdarbeitereinsatz im "Reich" zuständig war.
Als dann der ganze Spuk vorbei war, lag auch das halbe Land Thüringen in Trümmern.




Im Frühjahr 1945 wurde Thüringen erst von amerikanischen Truppen und ab 1.7.45 von der Roten Armee besetzt.
1945 entstand dann auch das Land Thüringen .., zu dem jetzt auch der bisherige preußische Regierungsbezirk Erfurt gehörte. 
Das Land gehörte jetzt zur Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 zur DDR.
1946 war aus KPD und SPD die SED gebildet worden, die jetzt sagte, wo es lang geht.
Bodenreform, Nationale Front, VEB, LPG, PGH usw. bestimmten jetzt das Leben.




Gewählt wurden die Kandidaten der Nationalen Front, in der allerdings die "Partei der Arbeiterklasse" die Linie bestimmte.
1952 wurde mit der Gebietsreform das Land Thüringen in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl aufgeteilt und auch die Landkreise wurden zum Teil neu strukturiert.
Gearbeitet wurde jetzt nach Plan, erst nach einem 2-Jahresplan und dann nach 5-Jahresplänen. Natürlich wurde die Pläne meist übererfüllt, aber irgendwie fehlte doch immer irgend etwas.
Trotzdem entstanden große volkseigene Kombinate und große Produktionsgenossenschaften. Es entstanden große Neubaugebiete, neue Schulen usw. ... und trotzdem wollten immer wieder ansonsten brave DDR-Bürger in den Westen.






Nun lag ja Thüringen direkt an der "Staatsgrenze West" und der größte Teil der Bevölkerung konnte ohne große Probleme das Fernsehen des "Klassenfeindes" sehen.
Als 1961 die Mauer in Berlin gebaut wurde, entstand auch in Thüringen bald die 5-km-Sperrzone, mit Stacheldrahtzaun, Minenstreifen usw.
Aber dann kam Glasnost und Perestroika und das SED-Regime kam trotz Stasi immer mehr ins wanken und dann mit der Wende im Jahre 1989 endgültig zu Fall.






Die Wende hatte den Sturz des SED-Politbüros gebracht und die erste freie Wahl nach vielen Jahren brachte eine neue Regierung und am 3.10.1990 die Wiedervereinigung Deutschlands.
"Blühende Landschaften" entstanden jetzt neben abgerissenen Betrieben, wobei eigentlich der positive Aspekt überwiegt.



 


Thüringen ist jetzt wieder ein Freistaat, der aber dieses mal die ganzen thüringer Gebiete umfasst.
Erfurt wurde Landeshauptstadt und 1994 wurden größere Landkreise geschaffen, wie zum Beispiel der Unstrut-Hainich-Kreis, bei dessen Autokennzeichen Fremde immer wieder rätseln, was denn wohl "UH" bedeutet.
Während in einigen Kreisen der Aufschwung deutlich erkennbar ist, gibt es aber immer noch Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit.
Trotzdem.., Thüringen entwickelt sich wieder langsam zum interessanten grünen Herzen Deutschlands und hat Vielen vieles zu bieten.
 

Übrigens ...,
auch Mühlhausen bietet natürlich viel Interessantes. Ich hoffe, die bisherigen und die evtl. noch folgenden Posts können davon etwas vermitteln.

Donnerstag, 4. März 2010

24) Thüringen bis 1800


In einer Reihe über "Mühlhausen - Geschichte und mehr" darf natürlich auch das weitere Umfeld nicht fehlen.



Thüringen - das grüne Herz Deutschlands - hat auch eine interessante Geschichte, von der hier einiges aufgezeigt werden soll.







 

Das Land zwischen Werra und Saale war erst von den Kelten und dann von germanischen Stämmen besiedelt. Während der Völkerwanderung zogen hier die verschiedensten Stämme von Ost nach West.
Im 5.Jahrhundert entstand dann das Thüringer Königreich, das vom Nordharz bis zum Frankenwald reichte.
Der König Bisino teilte dann das Land unter seinen drei Söhnen auf
 
 
 
 



 


Das waldreiche Land war nur locker bebaut, eine Ansiedlung hatte meist nur wenige Höfe. Zentren der Macht waren die befestigten Edelhöfe und nur der herrschende Adel hatte burgähnliche Anlagen.
 
 
 
 
 
 
 


531 überfielen die Franken im Bündnis mit den Sachsen die Thüringer, die an der Unstrut vernichtend geschlagen wurden.Während die Sachsen große Teile des Landes nördlich der Unstrut in Besitz nahmen, setzten die Franken im übrigen Land einen Herzog ein, der die Regierung im Auftrag des Königs leitete.
Im Grenzgebiet zu den Sachsen entstand die Germaramark und hier wurden zahlreiche fränkische Ansiedlungen mit der Endung -hausen gegründet.
In diese Zeit - ab 725 - fällt auch die Christianisierung Thüringens, die besonders durch Bonifazius betrieben wurde.






Im Ottonischen Kaiserreich (911 - 1024) war Thüringen auch für die Ausdehnung des Reiches nach Osten von Bedeutung. Es entstanden die Marken Merseburg und Zeitz, sowie die Mark Meißen.
Aus den bisherigen kleineren Ansiedlungen entstanden Städte, die oft mit der Burg des Herrschers in Verbindung standen. So wurde auch die Königspfalz Mühlhausen zum Zentrum eines bedeutenden Reichsgutbezirkes.
Von Bedeutung war aber auch der Territorialadel und die Kirche, die ihre Herrschaft und ihren Besitz immer mehr ausbauten.








Die Ludowinger nahmen als Landgrafen bald eine Vormachtstellung im Land ein. Ludwig der Springer soll im Jahre 1067 die Wartburg gegründet haben, die dann lange Zeit das Herschaftszentrum in Thüringen war.
In heftigen Kämpfen gegen die Grafen von Henneberg, Käfernburg und von Tonna-Gleichen, errang die Landgrafschaft Thüringen die Vorherrschaft im Lande. Trotzdem gab es noch zahlreiche weitere selbstandige Adelshäuser, wie die Grafen von Beichlingen, von Stolberg, von Bilstein usw., usw.










Um die Sicherheit in den Reichsgutbezirken zu erhöhen, hatte Kaiser Heinrich IV. Reichsministeriale eingesetzt, die im Lande Burgen bauten.
Auch die Ministerialen im mühlhäuser Gebiet hatten oft in ihrem Lehnbesitz Burgen oder feste Höfe.
Als sich der sächsich-thüringische Adel gegen die Reichsgewalt erhob, kam es 1075 zur Schlacht bei Homburg in der Nähe von Langensalza, in welcher der Adel eine vernichtende Niederlage erlitt.




Besonders im 11. bis 12. Jahrhundert wurden auch in Thüringen zahlreiche Klöster - oft als Schenkung des Adels - gegründet. Der Klosterbeseitz war teilweise beachtlich.
Im Eichsfeld hatte dann das Erzstift Mainz ein größeres Gebiet inne, das bis Anfang des 19. Jahrhunderts kirchlicher Besitz blieb. Auch in Nordhessen, das von 1130 bis 1264 zur Landgrafschaft Thüringen gehörte, gab es zahlreiche Klöster. So zog die heilige Elisabeth nach dem Tod ihres Gatten 1227 mit ihren Kindern nach Marburg, wo sie 1231 starb.






Nach dem Tod Heinrich Raspes, der 1247 kinderlos starb, brach der thüringer Erbfolgekrieg aus, der bis 1263 dauerte.
Sein Neffe Heinrich, Markgraf von Maißen, gewann die Oberherrschaft über Thüringen und Hessen wurde 1264 unter dem Enkel der heiligen Elisabeth zur selbständigen Landgrafschaft.
Thüringen wurde jetzt von den sächsischen Wettinern regiert, aber im Interregnum war die Reichsgewalt völlig zusammen gebrochen. Aus Reichsrittern wurden zum Teil Wegelagerer, die erst unter König Rudolf von Habsburg 1289/90 scharf bekämpft wurden. 29 Raubtitter wurden mit dem Tode bestraft und 66 Burgen wurden zerstört.


Aber immer wieder kam es auch im 14. Jahrhundert zu Kämpfen zwischen dem Adel, der aber gern auch die Städte überfiel.
Mühlhausen hatte deshalb 1308 mit Erfurt und Nordhausen ein Städtebündnis zum gegenseitigen Beistand abgeschlossen.








Die Freie Reichsstadt hatte ein umfangreiches eigenes Territorium erworben, das ab 1370 zum kurmainzischen Eichsfeld hin mit dem 26 km langen Landgraben geschützt wurde.










Erfurt hatte sich im Mittelalter zur mächtigsten Stadt in Thüringen entwickelt. Trotz des langen Kampfes um Selbstädigkeit, blieb die Stadt aber unter der Herrschaft des Bistums Meinz, so daß es in Thüringen nur die beiden Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen gab, die direkt dem Kaiser unterstanden.






Unter den Brüdern Ernst und Albrecht führten 1485 die Widersprüche in Sachsen zur Teilung in die Ernestischen (E) und Albertinischen (A) Gebiete.
Unter Kurfürst Johann Friedrich wurde im ernestinischen Teil die Reformation in Thüringen weitgehend durchgesetzt. 1547 in der Schlacht bei Mühlberg geschlagen, verloren die Ernestiner die Kurwürde und große Teile ihres Territoriums.







Zwei Jahrzehnte vorher war der Bauernaufstand in Nordthüringen noch gemeinsam von den ernestinischen und albertinischen, sowie den hessischen Fürsten bei Frankenhausen niedergeschlagen worden.
Mühlhausen war 1524/25 unter Thomas Müntzer das Zentrum des Aufstandes und wurde hart bestraft, aber auch in anderen Teilen des Landes herrschte das Strafgericht der Fürsten.








Im 16. Jahrhundert wurden die ernestinischen Landesteile in die Herzogtümer Sachsen-Weimar und Sachsen-Coburg-Eisenach aufgeteilt.
Neben den Wettinern gab es in Thüringen noch die Grafen von Henneberg, von Schwarzburg und von Honstein, die Herrschaften Reuss und Gleichen, sowie das kurmainzische Erfurt und das Eichsfeld und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen.






Mühlhausen - hier auf dem Merianstich von 1642 - hatte sich von den Restriktionen wieder langsam erholt, als der Dreißigjährige Krieg wieder neues Unheil über die Stadt und das Land brachte.
Dauernd zogen hier die verschiedensten Heere durch und manches Dorf und auch einige Städte wurden gebrandschatzt.



1648 war das Land ausgeblutet. Die einzelnen Fürstentümer waren nach wie vor erst einmal auf den eigenen Vorteil bedacht.
In den Residenzen entstanden neue Schlösser bzw. wurden vorhandene ausgebaut. Nicht gerade von Vorteil war die mehrfache Erbteilung der sowieso nicht großen Gebiete. So gab es Ende des 17. Jahrhunderts allein 10 kleine reußische Herrschaften in Thüringen, natürliche alle mit eigener Residenz, eigenem Schloß usw.
Während in den Residenzstädten ein gewisser Wohlstand entstand, war im übrigen Land meißtens nicht viel davon zu spüren.







Neben Sachsen-Weimar hatte sich unter Herzog Ernst besonders Sachsen-Gotha vergrößert. Aber durch die Erbteilung von 1680 zerfiel auch dieses Herzogtum in wieder in 7 kleinere Staaten mit den Residenzen in Gotha, Coburg, Meiningen, Römhild, Eisenberg, Hildburghausen und Saalfeld.






Auch die albertinischen Gebiete in Thüringen wurden immer wieder mal unter andere Oberhoheit gestellt.
So gehörte das Gebiet um Langensalza, Weißensee und Artern zu Kursachsen, das Gebiet um Suhl und um Weida zu Sachsen-Zeitz und das Gebiet bei Heldrungen zu Sachsen-Weißenfels.
Eine Sonderstellung nahm die Vogtei Dorla und das Amt Treffurt ein, die im Wechsel von Kursachsen, Hessen und Mainz regiert wurden.






Aus den Herzogtümern Sachsen-Weimar, S-Eisenach und S-Jena entstand 1741 das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. das sich zum führenden Fürstentum in Thüringen entwickelte.
Weimar wurde zum Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Thüringen. Namen wie Wieland, Herder, Goethe und Schiller machten die Residenzstadt weithin berühmt.
Mit der französischen Revolution brach nicht nur für Frankreich eine neue Zeit an, auch für Thüringen kam es bald zu weitreichenden Veränderungen.
Doch hiervon berichtet der zweite Teil der thüringer Geschichte, der als nächstes folgt.




Übrigens -,
gehörten die Thüringer schon immer zu den großen Erfindern.
Daß sie die Thüringer Rostbratwurst und die thüringer Klöse erfunden haben, steht ja außer Zweifel.
Aber daß sie auch noch das Reinheitsgebot vor den Bayern erlassen haben sollen, hat unsere südlichen Nachbarn doch sehr gekränkt.

Dienstag, 2. März 2010

23) Wüstungen im mühlhäuser Gebiet

Als Wüstungen wurden aufgegebene bzw. verlassene Ansiedlungen bezeichnet, von denen oft nur noch Flurnamen oder Urkunden berichteten.

Der Revierförster Heinz Freybote hatte 1995 eine Aufstellung über die Wüstungen im mühlhäuser Gebiet herausgegeben.
Auch Altenburg führte in seiner "Topographisch-historischen Beschreibung ..." von 1824 bereits 22 wüste Stätten auf.
Nachstehend kann allerdings nur auf einige dieser frühen Siedlungen eingegangen werden, wobei auch ein Blick auf neuere wüste Stätten erfolgen soll.


Ein großer Teil der wüst gewordenen Ansiedlungen im Umfeld der Stadt waren Rodungs- und Höhendörfer.
Namen wie Bollrode, Totterode, Nützigerode, Renterode am Rande des Hainichs, aber auch Eichelrode, Ebelrode und Hunderode nördlich der Stadt, deuten auf solche Rodungsdörfer hin.



Bereits im 12. Jahrhundert kam es schon zur Aufgabe von Ansiedlungen im Reichsgutbezirk.
Oft waren unzureichende Wasserversorgung, aber auch Seuchen oder Brände, der Grund für die Aufgabe der Ansiedlung.
Die wenigen übriggebliebenen Bewohner zogen in die Stadt oder in die Nachbardörfer.
Ein großer Teil der Wüstungen entstand im 14. Jahrhundert. Es gab aber auch Dörfer und Kirchen, die erst im 16.Jahrhundert gänzlich verschwanden. So auch die frühere Wallfahrtskirche von Eichen im Westen der Stadt, deren Altarbild noch in der Marienkirche zu sehen ist.



Auch in den später aufgegebenen Dörfern waren die Einwohner hörige Untertanen des jeweilgen Feudalherren.
Die vom König eingesetzten Ministrialen hatten oft umfangreiche Ländereien und ganze Dörfer als Lehen bekommen. Dieser Lehnsbesitz wurde später erblich, so daß die von Altenburg erwähnten "Geschlechter" - die sich meist nach ihrem Lehen benannten - über die Geschicke ihrer Untertanen eigenständig entschieden.

Einige dieser Geschlechter - wie die Herren von Weidensee - starben aus und ihre Besitzungen wurden entweder verkauft oder gingen an andere Dörfer über.
Auch Sambach war ursprünglich ein Kirchdorf. Der Deutschordensherr Heinrich von Sambach wurde als Bauherr der gotischen Marienkirche in dieser beigesetzt.
Wie in Weidensee entstand auch in Sambach später ein Meierhof. Die Kirche von Sambach wurde erst im 18. Jahrhundert abgebrochen.



Einige Wüstungen waren Klosterbesitz und wahrscheinlich auch von den jeweilgen Klöstern gegründet worden.
So gehörte St,Daniel und Rückelrode westlich von Ammern dem Kloster Reifenstein. Auch Pfafferode und Popperode dürften Klostergründungen gewesen sein. So sollen auch die Popperöder Fischteiche vom Kloster Zella angelegt worden sein.


Selbst unmittelbares Reichsgut - wie Burg und Dorf Tuttensode - ist später zur Wüstung geworden.
So hatte Kaiser Otto II. im Jahre 974 Tuttensode seiner Gemahlin Theophanu mit anderen bedeutenden Besitzungen - wie Mühlhausen und Eschwege - übereignet. Später den Herren von Tuttensode als Lehen übergeben, ging die Burg und das Dorf aber wohl schon im Mittelalter ein. Die Kirche wurde dann 1562 abgebrochen.




Auch die Ostkolonisation machte sich in unserem Gebiet bemerkbar. So wurden die Bewohner einiger Dörfer des Klosters Volkenroda im Jahre 1165 in die Lausitz umgesiedelt.
Auch das Dorf Weida oder Wida zwischen Kaiserhagen und Windeberg wurde von den Herren von Weida aufgegeben und die Einwohner im Osten angesiedelt.



Auf der Karte nebenan, in welcher der Zustand im 13. Jahrhundert dargestellt wird, sind etwa 30 spätere Wüstungen verzeichnet.
Freybote hatte in seiner Ausarbeitung auch Wüstungen über dieses frühere mühlhäuser Gebiet hinaus aufgezeigt, während bei Altenburg nur die damals bekannten wüsten Stätten aufgeführt waren.
Einige Dörfer, denen bekannte Geschlechter zugeordnet werden konnten, wurden besonders gekennzeichnet. Auch die aufgezeigten Landstraßen entsprechen in etwa der damaligen Zeit.

Nur die wenigsten Wüstungen sind durch Kriegseinwirkungen entstanden. Aber Brände in den wasserarmen Höhendörfern haben wohl schon den Anlass für eine Aufgabe von Ansiedlungen gegeben.
Manchmal wurde die Siedlung dann an anderer Stelle wieder aufgebaut. So entstand z.B. Eigenrode aus dem ehemaligen Dörfern Ebelrode und Eichelrode.





Ehemalige Burgen gab es im Territorium der Stadt nur wenige und von diesen sind praktisch keine Spuren mehr vorhanden.
So wurde die mühlhäuser Reichsburg Jahre 1256 von den Bürgern so gründlich abgerissen, daß nichts mehr übrig blieb. Die Burgstätte blieb lange Zeit wüst und wurde erst im 19. Jahrhundert wieder bebaut.
Auch die Burg von Tuttensode, die sogenannte Kaiserburg bei Oberdorla und die Alte Burg bei Eigenrieden, sind spurlos verschwunden.
Auch für weitere Orte wurden Burgen erwähnt, die aber vielleicht "nur" als feste Höfe der Geschlechter mit Wohnturm und Befestigung bestanden. So wurden für Windeberg, Obermehler, Lengenfeld, Körner und Görmar Burgen erwähnt und es ist schon möglich, daß früher auch in weiteren Dörfern der Geschlechter burgähnliche feste Höfe vorhanden waren.

Wüste Stätten gab es auch durch verlassene Güter, Höfe oder Mühlen.
So lagen bei der Rabinzmühle im Johannistal anscheinend mehrere Höfe, die dann mit der Mühle verschwanden.
Ämilienhausen im Südosten der Stadt, war viele Jahre als Siechenhaus und später als Hospital genutzt worden, ging Anfang des 19.Jahrhunderts ein und ist heute ganz verschwunden.






An manche Wüstungen erinnern heute noch einige Stellen im Kreisgebiet. Aber manchmal ist es nur noch eine Baumgruppe oder ein Flurname, der an eine Wüstung erinnert.








Das gilt auch für einige neue Wüstungen, wie das frühere Gut Peißel, das östlich von Bollstedt lag. Das frühere Rittergut im Herzogtum Sondershausen wurde 1946 bei der Bodenreform aufgeteilt.. DieNeusiedler kamen aber dann zur LPG und die teils defekten Neusiedlerhäuser wurden 1970 geräumt.. Hier entstand ein Übungsgelände der NVA und der Kampftruppen .. und heute erinnert fast nichts mehr an das ehemalige Rittergut und die Neusiedlerhäuser..







Wüste Stätten entstanden also nicht nur im Mittelalter, auch in der Neuzeit gibt es weitere Beispiele.
So verschwanden nach 1945 die General-Fuchs-Kaserne an der Windeberger Landstraße und der Rüstungsbetrieb Gerätebau im Stadtwald.
Und nach der Wende war die Zeit für neue wüste Stätten gekommen. Die bisherigen volkseigenen Betriebe wurden "abgewickelt", d.h. sie wurden geschlossen und entweder abgebrochen oder wie derVEB Mülana abgefackelt.

Und auch für die "DDR-Platte" brach die Zeit der Abbrüche an. So verschwanden, wie an der Windeberger Straße, ganze Neubaugebiete. Es hat sich nicht mehr gerechnet!
Hoffentlich macht das nicht weiter Schule, denn Mühlhausen hat ja in den letzten Jahren zahlreiche Einwohner verloren. Junge Leute sind eben dort hin gezogen, wo es Arbeit gab.
Entsteht dann irgendwann mal eine Wüstung, die an die frühere Stadt Mühlhausen erinnert?


Übrigens -,
ganz so schlimm wird es schon nicht werden. Die Mühlhäuser haben schon die Pest, mehrere große Stadtbrände und die verschiedensten Systeme überstanden, da werden sie doch auch mit den jetztigen Problemen fertig werden!
(Von den großen Stadtbränden soll ein späterer Beitrag noch berichten ..., also immer schön weiter am Ball bleiben!)