Dienstag, 3. Mai 2011

86) Garnisonsstadt Mühlhausen ...???

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Garnisonsstadt Mühlhausen im zwanzigsten Jahrhundert ....

... also Smiley meint zwar, daß es in den letzten tausend Jahren der Stadt genug Kriege gab.., aber auch das gehört zur Geschichte ... und deshalb sollen auch die letzten hundert Jahre noch betrachtet werden..


"Gott mit uns" ...

.. stand um 1900 auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten ... und damit sie auch wußten, für wen sie kämpften, prangte die Krone des deutschen Kaiserreiches auf dem Metallverschluss.

Später wurde die Krone durch den Reichsadler ersetzt ---.

aber der Spruch blieb noch lange Zeit.



.. Also am Anfang des Jahrhunderts waren die wehrpflichtigen Mühlhäuser in anderen Garnisonsstädten stationiert.
Seitdem 1894 das Ulanenregiment abrückte, war Mühlhausen keine Garnisonsstadt mehr. Sehr zum Leidwesen der vom preußischen Geist erfüllten kaisertreuen Bürgerschaft.

1901 kamen aber dann die ersten "Helden" vom Kampfeinsatz in China in ihre Heimat zurück. Sie waren dort bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes eingesetzt worden und 1904 fallen zwei Mühlhäuser in Deutsch-Südwestafrika im Kampf gegen die Hereros und die "Thüringische Evangelische Sonntagszeitung" schreibt dazu ".. lieb Vaterland magst ruhig sein .."


1906 ein Truppenmanöver in der Umgebung, bei dem fast 14.000 Soldaten in Mühlhausen einquartiert wurden.

1913 dann der Beschluss zum Bau der Wendewehrkaserne und noch im gleichen Jahr rückte das 3.Bataillon des Infanterie-regimentes Nr.167 in der Stadt ein.

Noch vor der Fertigstellung der Wendewehrkaserne brach aber der 1.Weltkrieg aus und die mühlhäuser Regimenter kamen an die Front.





Am 1.August 1914 wurde die Proklamation des Kaisers verlesen und mit einem ".. donnernden Hurra .." begrüßt.

Zahlreiche Freiwillige meldeten sich, um für Kaiser und Vaterland in den Krieg zu ziehen und in den höheren Schulen gab es Notprüfungen, damit die jungen Kriegsfreiwilligen so schnell wie möglich an die Front konnten.


Am 8.August rückten dann die Truppen mit klingendem Spiel zum Bahnhof aus und über Gotha ging es an die Westfront.
"Jeder Stoß .., ein Franzos .." und ". auf nach Paris .." stand auf den Waggons, mit denen die Soldaten in den Krieg fuhren.

Nach den 167ern rückten zwei Tage später die 71er des Reserveregimentes aus und 8 Tage später wurde ein neues Landsturm-Bataillon in der Stadt aufgestellt.



Vorsorglich wurden schon in den ersten Kriegstagen Reserve-Lazarette im Schauspielhaus, am Schwanenteich und am Stadtberg, sowie in der Loge (dem heutigen Puschkinhaus) eingerichtet und es dauerte garnicht lange bis sich die Betten füllten.
Auch die im Herbst 1914 fertiggestellte Wendewehrkaserne diente jetzt vorrangig zur Unterbringung der Verwundeten.


Oft reichten aber die bereit gestellten 800 Plätze in der Stadt nicht aus, um den ständigen Zustrom der Kriegsverwundeten zu bewältigen.


Immer wieder wurden auch in den Folgejahren neue Musterungen durchgeführt und mehrere tausend neue Soldaten in den Krieg geschickt.
Das mühlhäuser Regiment 167 wurde dann an der Westfront im Jahr 1918 völlig aufgerieben und auch die Landsturmbataillone kamen in Frankreich zum Einsatz und erlitten hohe Verluste.
1.337 Mühlhäuser waren im 1.Weltkrieg gefallen und mehrere tausend Verwundete kamen nach Kriegsende in die Heimat zurück.


Im November1918 wurde auch in Mühlhausen ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, der die vollziehende Gewalt übernahm.
Auf dem Rathaus wehte die rote Fahne und die heimkehrenden Soldaten der mühlhäuser Regimenter begrüßten überwiegend die neue Situation.

1919 wurde dann mit der Weimarer Republik das alte Regime endgültig abgelöst, aber jetzt begannen die Machtkämpfe zwichen den Parteien um so stärker.
Nach der Auflösung der Regimenter war Mühlhausen eigentlich keine Garnisonsstadt mehr, aber von 1920 bis 1928 waren in der Wendewehrkaserne 350 Polizeikräfte stationiert.


In der Weimarer Republik, in der ab 1925 der Generalfeldmarschall von Hindenburg Reichspräsident war, feierten die Krieger- und Militärvereine fröhliche Urständ.

An der Einweihung des Ehrenmals am Stadtberg im Jahre 1928 nahmen sie aber in Mühlhausen nicht teil, weil ihnen das Zeigen eines Teil der von ihnen geforderten schwarz-weiß-roten Fahnen (die Fahnen des Kaiserreiches) untersagt wurde.

... und dann kamen 1933 die Nazis an die Macht und führten 1935 die Wehrpflicht wieder ein.
Nur ein halbes Jahr später zog am 1.Oktober 1935 die Panzer-Abwehr-Abteilung Nr.37 in die Stadt und in die Wendewehr-kaserne ein.
Mühlhausen war wieder Garnisonsstadt.
.. übrigens ..., der Wahlspruch auf den Koppelschlössern "Gott mit uns" blieb auch unter den Nazis erhalten .. allerdings hatte jetzt der Reichsadler ein Hakenkreuz zwischen den Fängen..





Ein Jahr später, im Oktober 1936, war die neue Kaserne an der Windeberger Landstraße fertiggestellt und hier zog das Infanterie-Regiment Nr.86 ein.

Die General-Fuchs-Kaserne war eine der größten und modernsten Kasernen in Nordthüringen.





1938 zog dann das Artillerieregiment Nr.65 in die neu errichtete Görmarkaserne ein.

Jetzt fuhren die Raupenschlepper mit ihren großén Feldhaubitzen noch durch die Stadt, aber ab dem 1.September 1939 ging es dann nach Polen und dann später nach Frankreich und in die Sowjetunion.

Der 2.Welkrieg, mit dem die Nazis ihre größenwahnsinnigen Weltherrschaftspläne verwirklichen wollten, brachte Not und Tod über halb Europa.
Und der deutsche Soldat, wie immer in treuer Pflichterfüllung für Führer und Reich dabei.

Nach Polen fuhren die mühlhäuser Regimenter dann nach Frankreich oder per Schiff nach Norwegen, Es ging nach Serbien und Griechenland und dann 1941 in die Sowjetunion.

Besonders an der Ostfront verbluteten dann ganze Armeen und aus dem Siegeszug an den Kaukasus und nach Stalingrad wurde dann das Desaster vom stalingrader Kessel, das mit dem Ende der 6.Armee den Anfang vom Ende des Krieges bedeutete.
Auch in Nordafrika, wo ein Teil der 86er eingesetzt war, ging es bald zurück und ein großer Teil ging in englisch-amerikanische Gefangenschaft.


Ab 1943 ging es dann an allen Fronten statt vorwärts überwiegend zurück und nach der Invasion der Alliierten in Frankreich und Italien näherten sich die Fronten in Ost und West immer mehr dem "Großdeutschen Reich".


Auch in Mühlhausen wurden 1945 "Volkssturm"-Einheiten gebildet, denen alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren beizutreten hatten. Am 25.Februar fand die Vereidigung auf dem Postplatz statt und die "Kämpfer" wurden im Gebrauch der Panzerfaust ausgebildet.
Während im Osten die Rote Armee schon im Januar die Oder überschritt, überquerten die Amerikaner den Rhein erst am 22.März, standen aber bereits am 4.April vor den Toren unserer Stadt.

Mühlhausen wurde am 5.4.1945 von den Amerikanern fast kampflos besetzt, nur bei Struth kam es in den folgenden Tagen durch einen deutschen Gegenstoß nochmal zu größeren Gefechten, dabei wurde das halbe Dorf zerstört und es gab zahlreiche Tote und Verwundete.

Auf dem Untermarkt wurden dann die deutschen Soldaten zum Abtransport in die Gefangenschaft zusammen gestellt.

Für sie und die Mühlhäuser war damit der Krieg zu Ende.

Das Ende war aber auch ein Neuanfang.

Nie wieder Krieg ..., schworen sich jetzt viele ...


Nach dem Amerikanern kam dann Anfang Juli 1945 die Rote Armee nach hier und Mühlhausen gehörte jetzt zur SBZ (Sowjetische Besatzungszone)



In den Kasernen der Stadt lagen jetzt die russischen Soldaten.

Am 5. Juli übernahm der Held der Sowjetunion, Oberst Sollojew, mit dem Befehl-Nr.1 die gesamte Befehlsgewalt über Stadt und Landkreis Mühlhausen.
Auch in Mühlhausen galten jetzt die Festlegungen der SMAD der SBZ und bald wurden die alliierten Festlegungen zur Entmilitarisierung auch bei uns durchgesetzt. Soweit die Kasernen nicht für die Rote Armee gebraucht wurden, begann man mit dem Abbruch. Auch der Gerätebau im Stadtwald wurde gesprengt. Was die Amerikaner nicht schon mitgenommen hatten, wurde jetzt von den Russen als Reparationen nach Osten transportiert.

Wer im Land letztendlich das Sagen hatte, wurde am 17.Junu 1953 deutlich, als die Soldaten der Roten Armee in Mühlhausen und in der DDR " ..die Ordnung wieder herstellten..."
Die "feindlichen Elemente" wurden dann Tage später noch verhaftet und zum Teil zu hohen Strafen verurteilt.




Mit der "Kasernierten Volkspolizei" schuf man dann eine Truppe, die den "Arbeiter- und Bauernstaat" vor den inneren und äußeren Feinden schützen sollte.

Die ersten Truppenteile lagen damals im B-Lager und in der Görmarkaserne.



1956 wurde dann die Nationale Volksarmee gebildet und in der Görmarkaserne und am Wendewehr zogen wieder neue Regimenter ein.

Zusätzlich gab es noch die Kaserne am Stadtwald..., das ehemalige B-Lager. In dem erst die Bereitschaftspolizei und dann ein Mot.-Schützen-Regiment der NVA statiioniert war.




Am 13. August 1961 kamen dann neben der NVA auch die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" zum Einsatz.., als in Berlin und an der "Staatsgrenze West" die DDR vor den "Imperialisten" geschützt wurde.

Nun wußte zwar fast jeder, daß es wohl mehr der Verhinderung
der DDR-Flucht dienen sollte ..., aber na ja .. so lange man die Antenne noch unterm Dach verstecken konnte, war ja der "goldene Westen" noch zu sehen.


In den siebziger und achtziger Jahren demonstrierten dann die Kampfgruppen noch stolz zur Maiparade vor den Genossen der Kreisleitung.

Zusammen mit den Soldaten der NVA und den Freunden der Roten Armee standen sie auf Friedenwacht ....


... und dann kam mal wieder alles anders ..
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... Die Wende beendete nicht nur das Schicksal der DDR ... sondern auch das der "bewaffneten Kräfte" ...
.. Die Kampfgruppen wurden wie das MfS sofort aufgelöst ... und nur ein Teil der ehemaligen NVA-Soldaten wurde in die Bundeswehr übernommen ...
...Die "Freunde" der ehemaligen Roten Armee zogen wieder in ihre Heimat ..

... aber ... Mühlhausen blieb Garnisonsstadt ...

.. und nach der Räumung der ehemaligen Wendewehrkaserne, wird jetzt die Görmarkaserne nach wie vor für das Militär genutzt..

Natürlich stehen die Bundeswehrsoldaten jetzt für die hohen Ziele zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie ... (.. und wenn es denn sein muß.., auch in Afghanistan ...)

.. aber die hohen Ziele der Friedensbewegung Ende der achtziger Jahre
"... Frieden schaffen, ohne Waffen .."
sind in weite Ferne gerückt ..




... was ist uns nun als Garnisonsstadt geblieben ...???

.. der Stolz ..., wenn der große Zapfenstreich die Gemüter bewegt ...??
.. der Gedanke, daß der Schwur ... "Nie wieder Krieg" ... wohl ein ewiger Menscheitstraum bleiben wird ..??


Also Smiley wird wohl dieses Problem auch nicht lösen ...

.. und hofft nur, daß es kommenden Generationen erpart bleibt, den Frieden mit der Waffe in der Hand verteidigen zu müssen ..




Nachtrag vom Oktober/November 2011 ...:
Also hier eine gute und eine schlechte Nachricht   ...:
... zuerst die Gute ..; die Bundeswehr, die ja zur Berufsarmee umgestaltet wurde, wird verkleinert ..
.. Ein Beschluss, der die Zustimmung großer Teile der Bevölkerung findet ...
.. und nun die schlechte Nachricht ..; der Standort Mühlhausen soll auf 6 - 8 Mann abgebaut und damit die Görmarkaserne geschlossen werden ..
.. und nun ..???
.. ein "Genickschlag für unsere Stadt."., das "Ende des Wirtschaftsstandortes" usw., usw. heißt es jetzt .. und das hört sich fast wie das alte Gedicht an ".. heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an .." ..., denn die Schließung von Standorten wird wohl überall wenig Zustimmung finden .. (.. auch wenn man damit dem Wahlspruch "Frieden schaffen ohne Waffen" wieder ein Stück näher kommt ..
Na..., da kommt doch die neueste Nachricht, daß hier ein Panzer-Verschrottungsbetrieb einen Teil des Geländes nutzen will, dem angestrebten Ziel weiter entgegen .. (.. aber ich glaube, da werden nur alte Modelle verschrottet.. um neuen und "besseren" Platz zu machen ..)

Günter Körber
MHL den 03.05.2011







Kommentare:

  1. ich habe von 11.1968-04.1970 in der 4 Kompanie in Mühlhausen, B-Lager gedient,würde gern alte Mitstreiter finden ?????

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  2. Ich habe von 1969 bis 1972 inder 12. panzer kompanie in der goermarkaserne gedient. vieleicht liesst das einer meiner mitstreiter

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  3. Diese Geschichte des Garnisinsstandortes Mühlhausen ,sollte sich in einem "Militärhistorischem Verein e.V." mit militärhistorischem Museum
    am Leben erhalten bleiben.
    Mit Umstrukturierung der Bundeswehr ist das Ende als Garnisionsstadt besiegelt.
    Aus der Tradtition heraus sind wir ,die Bürger dieser Stadt verpflichtet im Gedenken der Soldaten an dieser Tradition festhalten und gleichzeitig an die schmerzlichen verluste erinnern.

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