Sonntag, 17. April 2011

83) .. verschollenes Wissen ...

...

Also .., Smiley findet, daß es über die frühe Geschichte unserer Stadt recht wenig konkretes gibt, so daß selbst die "offiziellen" Heimathistoriker noch oft genug im Dunkeln tappen ... und wenn dann noch so ein paar Laien kommen und neue Thesen aufstellen ... dann gibt es entweder ´ne volle Breitseite .. oder die übliche Methode..., es wird einfach totgeschwiegen ..


"Judenprivileg"
 ..Und schon sind wir wieder beim Thema ... .. verschollene Synagoge ... und verschollens Wissen ..
Fangen wir noch mal mit dem Ursprung an ... Im Jahre 135 wurden die Juden aus Jerusalem von den Römern endgültig in die Diaspora vertrieben, 212 erhielten sie aber im Römischen Reich das Bürgerecht und verbreiteten sich dann auch in den damaligen römischen Gebieten Europas ... so auch in den römischen Städten an Rhein und Donau ..
Erst später zogen sie vorwiegend als Händler auch in die östlichen Gebiete und sind im 10. Jahrhundert in Magdeburg und Merseburg nachweisbar. Ludwig der Fromme (814 - 840) hatte sie unter seinen persönlichen Schutz gestellt..., ein "Privileg" das auch später von den deutschen Königen angewandt wurde (.. und ihnen mit der "Judensteuer" hohe Einnahmen sicherte ..)


In Mühlhausen wurden die Juden erstmals 1220 im Mühlhäuser Reichsrechtsbuch erwähnt, dürften aber um diese Zeit bereits hier ansässig gewesen sein. ...
und nun die große Frage ... wo ...???
Laut Liesenberg wurde die Judengasse in Mühlhausen erstmals 1440 erwähnt, dürfte aber schon wesentlich früher bestanden haben. Nun fällt auf, daß diese Judengasse - die heutige Jüdenstraße - ziemlich genau an der Trennstelle zwischen der mühlhäuser Altstadt und der Neustadt lag.







Grenzen der Kirchgemeinden im Mittelalter

Von Günther und Korf wurden im Buch "Mühlhausen" in der mittelalterlichen Siedlungstopografie (S.18) die Grenzen der alten Kirchgemeinden aufgezeigt, die wohl auch überwiegend die alten Grenzen der Stadtentwicklung darstellten.
Dabei fällt auf.., daß die Judengasse eigentlich in das Gebiet der Neustadt gehörte, denn hier verläuft die Grenze der Kirchgemeinde zwischen den Grundstücken der Kuttelgasse und der Jüdenstraße.
Es fällt weiter auf, daß die Nordseite der Jüdenstraße heute noch überwiegend zu den größeren Grundstücken am Steinweg gehört und demnach nur die Südseite für die Gebäude der mühlhäuser Juden zur Verfügung stand.
Nun wurde ja die Neustadt auch erst 1220 erstmals erwähnt (dürfte allerdings ebenso schon etwas älter gewesen sein) ... aber wenn es laut Reichsrechtsbuch schon 1220 Juden in der Stadt gab ..., wo wohnten sie dann ...???



Königsstadt im 12.Jh.
Ein Vergleich mit anderen größeren Städten in denen es "Judengassen" gab, zeigt auf, daß diese Straßen sehr oft am Rand der Städte lagen (z.B. Frankfurt u.a.) aber immer mit einem Mittelpunkt ..., der Synagoge .. ..
und in Mühlhausen mittendrin zwischen Alt- und Neustadt ..??
Von Bühner wurde im Bereich östlich der Grasegasse eine Vorburg der königlichen Reichsburg vermutet (MB. Heft 27) die doch wohl der Neustadt vorausgegangen sein müßte.
Nun stimmt auf der nebenstehenden Skizze die von mir angenommene Südgrenze der Vorburg mit der Südseite der Bebauung der Jüdengasse überein ... ein Zufall ..??
(.. eine von Bühner aufgezeigte alte Mauer im östlichen Bereich des Magdalenenweges passt ziemlich genau zu dieser Südgrenze der Vorburg)
Hatte man die Juden in Mühlhausen, die ja dem Schutz des Königs unterstanden, noch innerhalb der angenommenen Vorburg - aber doch am Rande - angesiedelt ..??
Wurde diese mögliche Vorburg dann beim Überfall Heinrich des Löwen im Jahre 1180 zerstört oder beim 1244 erwähnten Stadtbrand ... und erfolgte dann die Aufsiedelung der feudalen Grundstücke, wie es Rolf Ailepp vermutete ..??

Wenn es nach Roland Lange ginge (.. der immer noch mit den "Offiziellen" im Clinch liegt ..) müßte ja das "Judenviertel" mit dem Rathaus als Synagoge wesentlich größere Ausmaße gehabt haben ..., eine These .., die aber durch keinerlei Fakten belegbar ist ..

Natürlich sind auch meine obigen Ausführungen nur Annahmen, aber vielleicht könnten sie doch eines Tages zu genaueren Untersuchungen anregen ....
Vorausgesetzt, irgend jemand von den "offiziellen" Heimathistorikern liest überhaupt diese Beiträge ...
Bis jetzt habe ich jedenfalls von dieser Seite noch kein Echo erhalten ..



Na ja ...., Smiley meint.., daß es eigentlich schon genügt, wenn ich den zahlreichen Lesern dieser Seite mal wieder ein paar neue Gedanken vortrage ..., denn die Geschichte unserer alten Stadt hat ja in dieser Richtung einiges zu bieten ..

... In diesem Sinne ... "immer schön neugierig bleiben .."
Ihr Günter Körber

Kommentare:

  1. glaube mir die lesen das! ich weiß es !

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  2. .. noch ein Gedanke zum obigen Thema ..
    .. die köngliche "Vorburg" könnte sehr wohl auch aus einzelnen "festen Höfen" (befestigte Feudalhöfe) bestanden haben .. denn auch die alte Stadtchronik spricht von einer "Ganerben"-Burg, "darauf viel vom Adel gewohnt" ...
    (.. eine Ganerbschaft setzte sich aus mehreren Adelsgeschlechtern zusammen..).. es ist also schon möglich, daß am Rande dieser Vorburg die ersten Juden angesiedelt wurdem ... was dann zur Bildung der "Judengasse" führte .. wie bei vielen anderen größeren Städten entstand aber wohl auch hier später die Synagoge der jüdischen Mitten in dieser Gasse ..
    .. aber eine völlige Klarheit wird es wohl hierzu nicht mehr geben ...

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  3. .. sorry .., es soll natürlich ".. die Synagoge der jüdischen GEMEINDE Mitten in dieser Gasse .." heißen ..

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